PRESSEMITTEILUNG
VERFÄLSCHUNGEN" DURCH VERFASSUNGSSCHUTZBEAMTE
(MÜNCHEN/KAISERSLAUTERN) In einem Offenen Brief an die
gegenwärtig
in Kaiserslautern tagende Innenministerkonferenz wirft die
Scientology
Kirche Deutschland e.V. (Sitz München) den Verfassungs-
schutzbehörden "skandalöse Verfälschungen"
vor. Konkret
geht es um den "Abschlußbericht" einer "Arbeitsgruppe der
Verfassungsschutzbehörden",
der im Juni letzten Jahres zum Beobachtungsbeschluß durch
die Innenministerkonferenz
führte und der nun vom nordrhein-westfälischen
Innenminister
Franz-Josef Kniola veröffentlicht wurde.
In dem sechsseitigen Schreiben an den rheinland-
pfälzischen Innenminister
Walter Zuber - als Vorsitzenden der Innenminister-
konferenz - und an Bundesinnenminister Manfred Kanther
erheben die
Scientologen massive Vorwürfe gegen die unbekannten
Autoren des Verfassungsschutzberichts.
Die Verfassungsschützer hätten auf ein "wissenschaftlich wertloses" Gutachten eines Frankfurter Politologen zurückgegriffen und bewußt Zitate aus Schriften verfälscht, um Scientology "Anhaltspunkte" für "politische" und "extremistische" Züge anzudichten. Um "totalitär gewalttätige Praktiken" zu konstruieren, gingen die Verfassungsschützer sogar soweit, der Scientology Kirche Morddrohungen gegen den CSU- Politiker Peter Gauweiler im Jahre 1988 zu unterstellen. Tatsächlich war den Verfassungsschutzbeamten jedoch nachweislich bekannt, daß gerade die Scientology Kirche damals wesentlich dazu beitrug, den Urheber jener fingierten Morddrohung ausfindig zu machen, so daß er von der Polizei festgenommen werden konnte und später verurteilt wurde - also wesentliche Tatsachen die die Verfassungsschützer schlicht in ihrem Bericht den Ministern vorenthielten.
Ähnlich verhält es sich in einem zweiten im
"Abschlußbericht"
beschriebenen Fall mit weiteren frei erfundenen Straftaten bis
hin zu angeblichen
Mordplänen mit Hilfe einer Autobombe, die - wie in einem
Urteil des
Oberlandesgerichts München 1996 rechtskräftig
bestätigt
- von einer Frau frei erfunden worden waren. An den
Ermittlungen waren
Anfang 1993 auch Beamte des Bundesamtes für
Verfassungsschutz beteiligt.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg attestierte im Juni 1994 nach
Abschluß
der Ermittlungen der mehrfach vorbestraften Frau - die niemals
Mitglied
der Scientology Kirche gewesen war - neurotische
Persönlichkeitsstörungen in Form einer
"Pseudologia Phantastica".
Die Tatsache, daß die Scientology Kirche diese
vorbestrafte Frau
in ihren Veröffentlichungen als "von wahnhaften
Vorstellungen" geleitet
bezeichnet hatte, wurde von dem Politologen Jaschke in seinem
Gutachten
als "bezeichnendes Licht" für die "totalitären,
gewalttätigen
Praktiken" von Scientology gegenüber "Aussteigern"
gewertet. "Ein
behördliches Gutachten, das die Fakten so verdreht und
damit die ganze
Nation auf den Holzweg führt, ist ein einzigartiges
Armutszeugnis
für einen Rechtsstaat", so Sabine Weber, Sprecherin der
Scientology
Kirche
Deutschland.
Sie forderte die Innenminister angesichts dieser nun
aufgedeckten Fakten
zum Dialog auf. "Die durch Interessensvertreter der Amtskirchen
geschürte
Hysterie im Zusammenhang mit Scientology und anderen
Glaubensgemeinschaften,
der unglaubliche Arbeitsaufwand von seiten der Ministerien, der
Behörden
und diverser Politiker steht in keinem Verhältnis zu den
nun aufgedeckten
Fakten und dem deshalb zu erwartenden Ergebnis. Es werden
buchstäblich
Millionen für ein heraufbeschworenes Problem
verschleudert, das faktisch
nicht einmal im Ansatz existiert. Angesichts der dramatischen
Entwicklungen
auf
gesellschaftlicher und politischer Ebene mit dem Anstieg
rechtsextremer
Gewalttaten wäre es zweckmäßiger, die
Scientology-Diskussion
auf den Boden nachprüfbarer Tatsachen
zurückzuführen und
auf allen Ebenen entsprechende Konsequenzen zu ziehen,"
heißt es
abschließend in dem Schreiben der Scientologen an die
Innenminister.
Für den Inhalt und weitere Informationen:
Sabine Weber/Georg Stoffel, Scientology Kirche Deutschland
Anlage: Offener Brief (6 Seiten)