PRESSEMITTEILUNG
"GELD, LÜGEN, DROHUNGEN UND GUTE WORTE -
VERFASSUNGSCHUTZ-SCHNÜFFLER
ARBEITEN MIT SCHMUTZIGEN STASI-METHODEN"
SOFORTIGE KONSEQUENZEN VON INNENSENATOR SCHÖNBOHM GEFORDERT
(BERLIN/MÜNCHEN) Seit Monaten sorgt ein Intrigensumpf
in der Berliner
Polizeispitze immer wieder für Schlagzeilen. Auslöser
war ein
anonymes Schreiben. Darin wurde einem Polizeidirektor Otto D.
wahrheitswidrig
eine Scientology-Mitgliedschaft angedichtet. Mit den
mysteriösen Vorgängen
haben sich bereits die Berliner Justiz und
Innensenator Jörg Schönbohm eingehend
auseinandergesetzt.
Aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Mitteilung
der Scientology
Kirche Deutschland e.V. (Sitz München) geht hervor,
daß an dem
Denunzierungsskandal Agenten das Berliner Landesamtes für
Verfassungsschutz
beteiligt sind, deren Vorgehen "an schmutzige Stasi- Methoden
erinnere".
Die Scientologen fordern von Innensenator Schönbohm
sofortige Konsequenzen
und die Einstellung der Scientology-Beobachtung.
Just zu dem Zeitpunkt als der leitende Polizeibeamte Otto
D. befördert
werden sollte, erhielten Innensenator Jörg Schönbohm,
Polizeipräsident
Saberschinski, der Polizei-Gesamtpersonalrat und eine
Tageszeitung Ende
März anonyme Post. Inhalt: Polizeidirektor Otto D. sei
Scientology-Mitglied
und hätte einen Mitarbeiter genötigt, der aus der
Gruppierung
austreten wollte. Die Berliner Staatsanwaltschaft nahm trotz
der Anonymität
des Pamphlets sofort unfangreiche Ermittlungen gegen Otto D.
auf. Mehrere
Durchsuchungsaktionen erbrachten keinerlei Hinweise auf eine
Scientology-Zugehörigkeit
des leitenden Polizeibeamten. Auch die Scientology Kirche
führte nach
zahlreichen Presseanfragen vor Ostern genaue Recherchen durch und
konnte eine Mitgliedschaft des Polizeibeamten definitiv
ausschließen.
Dennoch wurde Otto D. von seinen Aufgaben entbunden und nach
Presseberichten
in verschiedenen Berliner Zeitungen von seinen Vorgesetzten
"wie ein Aussätziger
behandelt". Die Scientologen an die Adresse des Innensenators:
"Otto D.
wurde Opfer unverantwortlicher öffentlicher Spekulationen
amtskirchlicher
Anti-Sekten-Funktionäre, wie dem Pfarrer Thomas Gandow.
Auch der von
Innensenator Schönbohm initierte
Verfassungschutzaktivismus provoziert
ein übles Klima von
Hysterie und Denunziantentum. Wer aus dem Broterwerb von
unbescholtenen
Menschen abstruse Unterwanderungstheorien konstruiert und in
Ermangelung
von Fakten beim Verfassungschutz ein 'vertrauliches Telefon`
installiert,
fordert eine Blockwartmentalität und anonymes
Anschwärzen geradezu
heraus und wird dann die Geister, die er rief, nicht mehr los."
Und genau so kam es: Der Anwalt von Otto D. erhielt anfang Mai von Polizeipräsident Saberschinski ein "Behördenzeugnis". Das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz, "bestätigte" in einem Einzeiler die Mitgliedschaft von Otto D. bei der Scientology Kirche Berlin. Dies sei mit "geheimdienstlichen Mitteln" festgestellt worden. Allein das mit den "geheimdienstlichen Mitteln" traf zu. Denn zur gleichen Zeit knüpften im Hintergrund Geheimdienstagenten vom Verfassungschutz mit Stasimethoden ihre Fäden, um die Menschenjagd auf Polizeidirektor Otto D. anzuheizen und seine Karriere durch Intrigen zu ruinieren, wie die Scientology Kirche jetzt lückenlos nachweisen kann.
Von Mitte April bis Anfang Juni versuchten
Verfassungschutzagenten den
25-jährigen Max M. (Name von der Redaktion geändert)
mit Anrufen
und in sieben persönlichen Gesprächen als bezahlten
Spitzel anzuheuern.
Max M. ist Student und Teilzeit-Mitarbeiter in der Berliner
Scientology
Kirche. Die Anwerbeversuche von drei Agenten bestanden aus
einer Mischung
von persönlichen Drohungen und guten Worten. An
Äußerungen,
wie "denken Sie an Ihre Zukunft", "das ist kein Spiel", "sind
Sie vorbestraft?"
und "Sie sind doch intelligent und zuverlässig" und "bei
uns verdienen
Sie mehr," erinnert sich Max
M. aus diesen Anwerbeversuchen. In einem China-Restaurant
bekam er
am 21. April schon einmal dezent 300 Mark unter die
Zigarettenschachtel
geschoben.
Für Geld sollte er regelmäßig als
informeller Mitarbeiter
Insider-Informationen aus der Berliner Scientology Kirche
liefern,
insbesondere über Vorstandsmitglieder. Man würde
einen Fragenkatolog
erarbeiten.
Bei einem Treffen in einem Café am 15. Mai - also deutlich nach der behaupteten Scientology-Mitgliedschaft des Polizeidirektors Otto D. in ihrem Behördenzeugnis - ließ einer der Geheimdienstler, der sich bei einem früheren Treff mit einem Verfassungschutzausweis als Herr Dörfler vorstellte, die Katze aus dem Sack. Er eröffnete Max M.: Sie bekommen 5000 Mark, wenn Sie uns eine konkrete Information besorgen, einen Beweis, ob der Polizist Otto D. Mitglied der Scientology ist oder nicht. Und wenn Sie den Beweis erbracht haben, kann das Geschäft losgehen.
Dabei blieb es nicht. Bei einem weiteren abendlichen Treffen am 21. Mai in einem Park hakten die Geheimdienstler nach. Max M. erinnert sich genau an seinen zehnten Kontakt. Er berichtet:
"Am 26.5.98 um 21 Uhr, an der besagten Straßenecke;
die zwei Männer
warteten schon auf mich. Wir gingen in den Park und setzten uns
auf einen
Holzblock, der einen Sandkasten umzäumte. Links saß
Herr Dörfler,
rechts von Herr Dörfler der andere Mann. Aus der
Hemdtasche von Herrn
Dörfler schaute das Geld heraus. Dann stellten sie einige
Fragen:
Ob ich was von diesem Herrn Otto D. wissen würde und
weshalb ich so
selbstsicher getan habe im Café und gesagt habe,
daß dies
kein
Problem sei, etwas über Herrn Otto D. herauszufinden?
Ich erklärte,
daß die Scientology Kirche keine Geheimnisse habe. Ich
käme ohne weiteres an die Mitgliedslisten heran und
ich könne
Ihnen zuverlässig mitteilen, ob Herr Otto D. Mitglied der
Berliner
Scientology Kirche sei. Daraufhin drückte mir Herr
Dörfler einen
Stapel Geld in die Hand: 5000 Mark in Hundertmarknoten. Er
meinte dazu,
daß dies echtes Geld sei. Als ich ging, meinten sie noch,
hier höre
jetzt ihr Schutz für mich auf, und ich solle auf das Geld
aufpassen."
Erstmals wurde Max M. am 16. April an einer Berliner S-
Bahnstation von
den Verfassungschutz-Schnüfflern angesprochen. Auf die
Frage, wie
sie gerade auf ihn kämen, hielten sich die Geheimdienstler
immer bedeckt.
Er würde es nie erfahren. Sie sagten Max M. nur soviel:
Sie hätten
einen Tip von Kollegen aus dem "Ländle" erhalten. Was
damit gemeint
ist, konnte sich Max M. dann aber schnell zusammenreimen. Er
stammt aus
Baden-Württemberg und seine Mutter hatte ihn vor Jahren zu
einem fanatischen Scientology-Gegner bei der Polizei
geschleppt. Von
dort landeten seine persönlichen Daten ganz offensichtlich
beim baden-württembergischen
Landesamt für Verfassungsschutz und wanderten weiter zu
den Kollegen
nach Berlin. Der Verfassungsschutz im "Ländle" machte
kürzlich
internationale Schlagzeilen, weil einer seiner Beamten im
Rahmen der Scientology-Beobachtung
wegen illegaler Spionage-Tätigkeiten und anderer
strafbarer Delikte
von den Behörden
in der Schweiz verhaftet wurde.
Pünktlich zum einjährigen Jubiläum des Beschlusses zur Scientology-Beobachtung haben nun auch die Berliner Verfassungsschützer ihren Skandal.
Denn Max M. vertraute am Wochenende seine Verfassungsschutz- Kontakte in allen Einzelheiten Vertretern der Scientology Kirche an und bat diese, die von den Verfassungsschützern gestellten Fragen in seinem Auftrag zu beantworten. Er erklärte seine Bereitschaft, über seine Erfahrungen bei Bedarf vor Gericht auszusagen.
Die Scientologen fordern nun vom Berliner Innensenator aus den skandalösen Vorgängen sofortige und einschneidende Konsequenzen zu ziehen:
* Erteilen Sie endlich dem schäbigen Treiben anonymer Denunzianten, amtskirchlicher Inquisiteure und behördlicher Fälscher im Verfassungsschutz eine entschiedene Absage. Behandeln Sie den Polizeibeamten Otto D. nach rechtsstaatlichen Grundsätzen und beenden Sie seine behördeninterne Diskriminierung. Sein Schicksal könnte uns eigentlich gleichgültig sein, wenn hier nicht irgendwelche behördeninternen Intrigen auf unseren Rücken ausgetragen würden. Eine faire rechtsstaatliche Behandlung ist gerade in einem demokratischen Staatswesen auch ein Gebot der Menschlichkeit.
* Stellen Sie uns eine Kopie des anonymen Schreibens zur
Verfügung,
in dem Otto D. wahrheitswidrig eine Scientology-Mitgliedschaft
und Nötigung
unterstellt wird, damit wir möglicherweise aus Detailangaben
einen Beitrag zur Feststellung und Festnahme des anonymen
Urhebers
leisten können.
* Ziehen Sie alle im Berliner Landesamt für Verfassungsschutz und möglicherweise in anderen Behörden beteiligten Beamten für das Ausstellen eines unwahren Behördenzeugnisses und der nachträglichen "Beweissuche" zur Verantwortung.
* Beenden Sie die völlig unbegründete und sinnlose
Verfassungschutzbeobachtung
der Scientology Kirche, die bisher außer
Verfassungschutzskandalen zu nichts geführt hat. Die
Steuerzahler
werden es Ihnen danken.
Zwischenzeitlich hat die Scientology Kirche Berlin e.V. im Auftrag von Max M. dem Landesamt für Verfassungsschutz in einem Schreiben zuverlässig die gewünschten Angaben zu den Vorstandsmitgliedern übermittelt.
Für den Inhalt und weitere Informationen: Georg
Stoffel, Scientology
Kirche Deutschland