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PRESSEMITTEILUNG

14.01.98
SCIENTOLOGEN-ELTERN KLAGEN RELIGIÖSE DISKRIMINIERUNG VON KINDERN AN

BECKSTEIN ANGEPRANGERT: INNENMINISTER SCHAFFT EIN KLIMA DES HASSES

 AN BAYERISCHEN SCHULEN

 (MÜNCHEN) Als "besonders menschenverachtend, verwerflich und niederträchtig" klagten heute Scientologen-Eltern bei einer Konferenz in München eine "von Innenminister Beckstein initierte und damit staatlich verordnete religiöse Diskriminierung" an bayerischen Schulen an.

Unter dem Deckmantel einer "Aufklärungsarbeit" würde Beckstein ein Klima des Hasses in Schulen erzeugen. In offiziellen ministeriellen Zeitschriften und Anordnungen würden Scientology- Mitglieder als Untermenschen dargestellt. In dem an alle bayerischen Lehrer verteilten "schulreport" hieß es unter der Überschrift "Erkennen eines Scientology-Mitglieds" wörtlich: "Als Folgen der Sektenzugehörigkeit werden in körperlicher Hinsicht eine Veränderung des Gewichts (Fettleibigkeit/Magersucht), Kräfteverfall, veränderter Bartwuchs, Erschöpfungssyndrom und psychosomatische Krankheiten genannt." Diese Erscheinungen und eine "Standardpersönlichkeit" würden sich "typischerweise jedoch binnen weniger Tage oder Wochen"
einstellen. Garniert ist das Machwerk mit Gehirnwäsche- Comics aus einer Realschule in Ingolstadt und einem Bildnis von Beckstein samt Interview.

"Beckstein will offenbar ein neues Apartheits-System, eine Erziehung zum Haß. Die Folgen für unsere Kinder durch einseitige Agitation gegen das Bekenntnis ihrer Eltern, in Schulen sind fatal," erklärten zwei betroffene Mütter. Unsere Kinder werden in Gewissenskonflikte getrieben und eingeschüchert. Bekennen sie sich zu der Scientology-Mitgliedschaft ihrer Eltern, werden sie schief angesehen, gehänselt, bedroht, ausgeschlossen und gequält; Freundschaften zerbrechen. Es ist nach einschlägiger "Aufklärung" auch schon vorgekommen, daß eine Schultasche in der Toilette landete. Verschweigen Kinder verängstigt das religiöse Bekenntnis ihrer Eltern, müssen sie teilweise übelste Anschuldigungen gegen die religiösen Überzeugungen ihrer Eltern wehrlos über sich ergehen lassen. "Meine Tochter kam heulend nach Hause und forderte mich auf, ich solle sofort meine Religion wechseln", berichtete eine Mutter.

Hans Bschorr, langjähriger Landtagskorrespondent des Bayerischen Fernsehens und dort wegen seiner Scientology-Mitgliedschaft kaltgestellt, hat aus Becksteins Ausgrenzungspolitik für seine Familie persönliche Konsequenzen gezogen. Weil er seinen Kindern nicht zumuten wollte, in der Schule seine Eltern als "gehirngewaschene Untermenschen" zeichnen zu müssen, hat er 1994 seine Familie nach England gebracht.

Bei dieser Hetze gegen Kinder handelt es sich nicht um Einzelfälle. Scientology-Sprecherin Sabine Weber nannte Zahlen, die das Ausmaß des Problems für betroffene Kinder und Eltern deutlich machen: Trotz einer hohen Dunkelziffer sind uns in den letzten beiden Jahren von betroffenen Eltern und Kindern über 50 staatlich angeordnete Hetz- Veranstaltungen gegen Scientology an Schulen im der Region München bekanntgeworden, angefangen von Grundschulen bis zu Gymnasien. Vereinzelt seien an Schulen sogar schwarze Luftballons mit einem Totenkopf und der Aufschrift "Scientology Gift" im Umlauf
gewesen. Auch Kondompackungen in ähnlicher Aufmachung würden existieren. Es hätte aber auch durchaus verantwortungsvolle Lehrer und Schulleiter gegeben, die entsprechende Ministeriumsanordnungen in den Papierkorb beförderten.

Bei Anfragen an das Bayerische Kultusministerium sei in der Vergangenheit unisono auf das Beckstein-Ministerium verwiesen worden. Betroffene Eltern kündigten bei der Pressekonferenz an, eine Initiative "Mütter gegen Diskriminierung" ins Leben zu rufen und forderten Kultusminister Hans Zehetmair auf, "seine Hände nicht länger in Unschuld zu waschen und diesem Spuk in seinem Verantwortungsbereich entschlossen ein Ende zu setzen." Gefragt seinen vielmehr Dialog und eine Erziehung zur Toleranz.

Vor der Presse in München sagte Scientology-Sprecherin Sabine Weber, daß mittlerweile über 50 Personen in europäische Nachbarländer und in die USA ausgewandert seien, nicht zuletzt wegen der Diskriminierung ihrer Kinder. In den USA war kürzlich dem ersten Scientology-Mitglied wegen religiöser Verfolgung in Deutschland von einem amerikanischen
Einwanderungsgericht Asyl zugesprochen worden. Aus den letzten fünf Jahren liegen etwa 1000 Fälle dokumentierter Diskriminierung allein gegen Scientology-Mitglieder vor, die bereits größtenteils internationalen Menschenrechtsorganisationen und Regierungsstellen vorgelegt wurden und entsprechende Reaktionen auslösten. In den letzten vier Jahren wurde in dreizehn offiziellen Berichten von den Vereinten Nationen, von Regierungsorganisationen und internationalen Menschenrechtsorganisationen Menschenrechtsverstöße gegen religiöse Minderheiten in Deutschland kritisiert, zuletzt im amerikanischen Repräsentantenhaus und bei der Menschenrechtskonferenz der OSZE in Warschau.

Für den Inhalt und weitere Informationen: Sabine Weber/Georg Stoffel, Scientology Kirche Deutschland