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16.06.1998
OFFENER BRIEF
Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister Kinkel,
hiermit protestieren wir mit aller Entschiedenheit gegen die
religiöse
Diskriminierung und daraus resultierenden skandalösen
Vorgängen im Umfeld eines Karlsruher Tennisvereins,
die dem internationalen
Ansehen Deutschlands schweren Schaden zufügen werden.
Die Fakten zu diesem alarmierenden Diskriminierungsskandal im Sportbereich stellen sich wie folgt dar:
Der Karlsruher Tennisverein TC Rüppurr engagierte nach dem Aufstieg in die Bundesliga den französischen Tennisprofi Arnaud Boetsch für die kommende Saison. Boetsch zählt zu den erfolgreichsten Tennisspielern seines Landes und ist seit vielen Jahren Mitglied der Scientology Kirche in Frankreich. Seine Scientology-Mitgliedschaft ist in Frankreich, aber auch in Tenniskreisen, seit langem bekannt und hat niemals zu irgendeinem Problem geführt. Arnaud Boetsch nimmt in der Scientology Kirche keinerlei wie auch immer geartete hierarchische Stellung ein, noch übt er irgendein Amt oder eine Funktion aus. Boetsch ist ein untadeliger internationaler Spitzensportler und spielte in der Vergangenheit auch auf zahlreichen Tunieren in Deutschland. Weder Arnaud Boetsch noch die Scientology Kirche brachten seine Scientology-Mitgliedschaft in Deutschland jemals an die Öffentlichkeit.
Mitte vergangener Woche trat dann ein gewisser Achim Winkel als Drahtzieher in diesem Diskriminierungsskandal auf dem Plan: Winkel ist Journalist in der Politik-Redaktion bei der einzigen Karlsruher Tageszeitung, den "Badischen Neuesten Nachrichten" (BNN). Aber Achim Winkel ist noch weit mehr als nur Journalist und er ist recht vielseitig. Er entpuppte sich in der Vergangenheit nicht nur in Artikeln und bei Vorträgen als bösartiger Agitator, wenn es um Mitglieder der Scientology Kirche ging.
Mehreren Anzeichen zufolge scheint Winkel auch Verfassungsschutz- Zuträger zu sein, wie sich zuletzt im Zusammenhang mit der kürzlichen Verhaftung eines Stuttgarter Verfassungsschutz-Agenten in der Schweiz wegen verbotener Auslandsspionage ergab. (Anlage 1)
Am Mittwoch, den 10. Juni 1998, erschien unter der Überschrift "Scientology sucht Athleten als Aushängeschilder" eine ausgesprochen bösartige Geschichte vom Achim Winkel in den "BNN". Der Hetz-Artikel erschien aber nicht etwa im Politikteil, für den Winkel normalerweise schreibt, sondern wurde merkwürdigerweise im Sportteil der Zeitung abgedruckt. Inhalt: Winkel konstruierte abstruse "Unterwanderungstheorien" im Sportbereich ohne jede Substanz. Eine weitere Handreichung für den Verfassungsschutz?
Selbst für einen Laien kann sich hier der Verdacht ergeben, das Ziel des von Achim Winkel in der Karlsruher Monopolzeitung praktizierten Pseudo-Journalismus sei das folgende: Der Tennisverein "TC Karlsruhe-Rüppurr" (TCR) sollte wegen des Engagements von Arnaud Boetsch massiv unter Druck gesetzt und die Sponsoren des Vereins dagegen aufgehetzt werden. Winkel konnte in seinem perfiden "Outing" außer der - in der Tenniswelt ohnehin längst bekannten - Scientology-Mitgliedschaft von Arnaud Boetsch, auffrisiert mit eigenen grotesken Spekulationen, faktisch nichts vorwiesen. (Anlage 2)
Das von Achim Winkel inszenierte unverantwortliche Denunziantenstück zeigte die kalkulierte diskriminierende Wirkung: Am 13. Juni 1998 meldete die "BNN" scheinheilig "TCR löst Vertrag mit Boetsch - Druck nach Scientology-Outing wurde für den Verein zu groß". (Anlage 3)
Aus dem relativ sachlichen - da nicht von Winkel
verfaßten - Artikel
gehen dennoch weitere skandalöse Details hervor: Kein
Vereinsverantwortlicher hat vor der Entscheidung mit
Arnaud Boetsch
gesprochen. Der Vereinstrainer befürchtet, daß sich
ein Teil
der übrigen Franzosen im Kader mit ihrem Daviscupspieler
Boetsch solidarisieren
und den Verein verlassen. Die unerwartete Entscheidung
hätte der Verein
auf Druck "aufgebrachter Sponsoren" getroffen.
Bei den "aufgebrachten Sponsoren" handelt es sich dem
Vernehmen nach
um die Bausparkasse "LBS" und die "Sparkassengruppe" und um
Sponsorengelder
in Höhe von etwa 300.000 Mark. Wer kann
ausschließen, daß
nicht diese Sponsoren von Achim Winkel zuvor "informiert"
wurden und sie
möglicherweise vor befürchteten oder angedrohten
"Negativ-Schlagzeilen" in die Knie gingen? Das
Vereinswohl hatten
sie jedenfalls nicht im Auge, denn sonst hätten sie Achim
Winkel sofort
die "Rote Karte" vor seine Denunzianten-Nase gehalten.
Denn Winkel ist es mit ein paar perfiden schrägen Winkelzügen gelungen, die jahrelange Aufbauarbeit und die gesamte sportliche Zukunft des Tennisvereins zu zerstören. Spieler dürften nun für den Verein schwerer zu gewinnen sein, denn sie müssen eine Hexenjagd befürchten. Offenbar zählen jetzt nicht mehr ihre sportlichen Qualitäten, sondern Sportler müssen sich zuerst einem Inquisitionstribunal à la Achim Winkel stellen und ihre Glaubensüberzeugungen offenbaren, bevor sie zum Aufschlag antreten oder einen Ball über das Netz schmettern dürfen.
Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister Kinkel, wir appelieren nun an Sie, diesem menschenverachtenden Treiben in Ihrer Heimat entschieden entgegenzutreten. Es gibt und gab zu allen Zeiten unbelehrbare Fanatiker, die versteckt hinter der Maske eines Biedermanns oder selbsternannten Moralapostels Menschenjagden und Inquisition betreiben. Es ist allerdings für den internationalen Ruf unseres Landes noch gefährlicher, wenn, wie im Fall von Arnaud Boetsch, ausländische Spitzensportler ungeschützt zur Zielscheibe von Hysterie und Intoleranz werden.
Ausländische Sportler bereichern heute mit ihrem Können den Sport in unserem Land, angefangen von der Fußball- Bundesliga bis hin zu praktisch jeder anderen Sportart.
Die Schikanierung von international bekannten Künstlern
in Deutschland,
allein aufgrund ihrer religiösen Überzeugung, hat in
den vergangenen
Jahren schon zu genügend internationalen Negativ-
Schlagzeilen und
zu wiederholter scharfer Kritik seitens
des amerikanischen Außenministeriums und von
internationalen
Menschenrechtsorganisationen geführt. Dies ist Ihnen als
Bundesaußenminister sicherlich zur Genüge bekannt.
Lassen Sie es nicht zu, daß gerade in Karlsruhe ein
als "Journalist"
getarnter Amateurinquisitor mit seinem grenzenlosen Haß
jetzt auch
der internationalen Sportwelt das Bild des
"häßlichen Deutschen"
vor Augen führt. Die Inquisition ist ein überkommenes
Relikt
aus dem Mittelalter und hat in einem demokratischen Rechtsstaat
und gerade
im Sport nichts aber auch gar nichts verloren. Wir erwarten von
Ihnen als
Bundesaußenminister, daß Sie diesem unwürdigen
Treiben
ein Ende
setzen und bitten Sie in diesem Sinne um eine sofortige
Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Egy
(Pressesprecher)
Scientology Kirche Stuttgart