Neuerscheinung 2002 :
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und Gerhard Besier
Die Rufmordkampagne
ISBN 3-929351-17-X
Editions La Colombe
Fax: 02204-64294
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Infotext des Verlags
:
"In diesem Buch wird beschrieben, wie Management- und
Persönlichkeitstrainer,
psychologische Weiterbildner und kleine Religionsgemeinschaften regelrecht
fertiggemacht werden, aber auch wie sie kämpfen und vor Gerichten
ihr Recht zu erstreiten suchen — zumeist vergeblich. Diese Darstellung
will die wegen ihrer Religion oder Weltanschauung Diskriminierten zu einer
effektiven Organisation und Verteidigung ihrer Interessen aufrufen, ein
Gesetz gegen Diskriminierung fordern und ein neues Wettbewerbsrecht für
den Helfermarkt anregen. Den Verfolgern aber sollte vor Augen geführt
werden, dass ihre Tätigkeit so sehr gegen die eigene lehrmäßige
Basis verstößt, dass es bei Fortsetzung solcher Aktivitäten
nur noch einen "letzten Dienst" an den Etablierten geben kann — den Austritt.
In Deutschland tobt ein heimlicher Grabenkrieg um die Herrschaft über
Meinungen, Überzeugungen und Lebensführungen. Neben die großen
»Volkskirchen", die die Meinungsführerschaft längst verloren
haben, sind verschiedene Lebensbewältigungshelfer getreten. Sie leisten
den Menschen auf ihre Weise Beistand und vermitteln Fähigkeiten und
Fertigkeiten, um das Leben besser „in den Griff‘ zu bekommen sowie Glück
und Freude über Erreichtes empfinden zu können. Das Angebot reicht
von klar eingegrenzten Bereichen wie Konfliktlösungen im Berufsfeld
bis hin zu umfassenden
Sinndeutungen von Welt und Leben.
Verständlicherweise kommt es zu Spannungen zwischen den traditionellen,
etablierten und den neu hinzugekommenen Helfern, die in offenen Gesellschaften
eigentlich offen miteinander ausgetragen werden sollten, doch hier beginnt
das Problem. Die
grundgesetzlich garantierte Freiheit und Gleichheit von Weltanschauungen
und Religionen gilt nur in der Theorie.
Angesichts schwindender Popularität sagen traditionelle Anbieter
(Kirchen) oder neu-privilegierte Gruppen (Psychotherapeuten bzw. deren
Berufsverbände) den Konkurrenten nach, sie seien „gefährlich"
für die psychische Gesundheit oder sogar halbwegs
kriminell. Diese Strategie der meist dunkel andeutenden Warnung, die
zuweilen in regelrechte „Kampagne(n) der üblen Nachrede" übergeht,
ist wirkungsvoller als das positive Werben mit eigenen Angeboten, deren
Attraktivität sich verschlissen hat. Wurden durch das dunkle Raunen
von angeblichen Gefahren die unliebsamen Konkurrenten erst einmal aus dem
angestammten Markt verscheucht, dann - so ist die Hoffnung - werden die
Hilfe- und Sinnsuchenden sich schon wieder einstellen. Also ist die Sektenhatz
zum Volkssport avanciert.
Dabei muß es sich noch nicht einmal wirklich um eine religiöse
Gemeinschaft handeln. Warum sollte man nicht einem erfolgreichen psychologischen
Weiterbildner ohne jeden religiösen Bezug nachsagen, in Wahrheit propagiere
er eine „Ersatzreligion" und unterhalte überdies Kontakte zu Scientology?
In diesem ungleichen Kampf heiligt der
Zweck die Mittel, und die Etablierten verfügen über alle
materiellen und rechtlichen Ressourcen, um die meist kleinen, kaum organisierten
Anbieter und Religionsgemeinschaften mit Verdächtigungen zu
überziehen.
Je skurriler und exotischer die Vorwürfe, um so größer
sind die Aussichten, dass die Medien solche Skandalgeschichten verstärken.
Kontroversen zwischen Sektenbeauftragten und psychologischen Fortbildnern
oder Motivationstrainern laufen stets nach einem ähnlichen Schema
ab. Um die Bedeutung der eigenen Rolle zu rechtfertigen, müssen die
Sektenbeauftragten immer wieder auf
„gefährliche" gesellschaftliche Entwicklungen, auf „konfliktträchtige"
Gruppierungen hinweisen. Dabei geht es ihnen selbstverständlich nicht
um die Abwehr konkurrierender Verständnisse über Gott, Mensch
und Welt, sondern nur um den „Schutz" der Menschen vor üblen
Verführern.
Die „Beschützten" müssen sich dann nicht mehr selbstverantwortlich
kundig machen.
Die Kirche wird in diesem Zusammenhang nicht als eine Religionsgemeinschaft
unter vielen und ihre Sektenbeauftragten nicht als deren Interessenvertreter
verstanden, sondern als „Experten" schlechthin, die stellvertretend für
die Gesellschaft agieren.
Obwohl die Gläubigen ihr in Scharen davonlaufen, besitzt die Kirche
als „Warnerin" vor dem Bösen in der Welt noch eine gewisse
Glaubwürdigkeit.
Ihre rechtliche Stellung als Körperschaft des öffentlichen Rechts
und die ihr in den Landesgesetzen zugesicherte Wahrnehmung eines
Öffentlichkeitsauftrages
machen sie für Geschädigte nahezu unangreifbar Hinzu tritt die
hohe Bewertung der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik. Obwohl die Kirche
hoheitliche Funktionen ausübt, werden ihre Äußerungen vor
Gericht nicht wie die einer staatlichen Behörde gewertet, sondern
wie die einer Privatperson oder eines Vereins.
Um ihre gesellschaftliche Stellung abzusichern, haben sich kirchliche
Sektenbeauftragte ein engmaschiges Netzwerk geschaffen, zu dem kooperierende
Wissenschaftler, staatliche Sektenbeauftragte, Politiker, Journalisten,
Psychologen, Rechtsanwälte und sog. „Betroffeneninitiativen" gehören.
Gemeinsam suggerieren sie gesellschaftlichen Meinungsführern, ja sogar
den Parlamenten, eine dunkel heraufziehende Gefahr, die angeblich von „Sog.
Sekten und Psychogruppen" ausgehen soll. Es gelang sogar, eine
Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu diesen Fragen einzusetzen.
Vor diesem Hintergrund wehren sich die Betroffenen vergeblich. Oft handelt
es sich um Personen, die aus den Großkirchen ausgetreten sind. Sie
werben für ihre Veranstaltungen und laden zu Versammlungen,
Fortbildungsseminaren
und Vorträgen ein.
Wie immer bei der Vermittlung solchen Wissens gibt es auch Besucher,
die mit dem Angebotenen nicht einverstanden oder von den Inhalten
enttäuscht
sind. Das hohe emotionale Engagement der „Betroffenen" und die sorgfältige
Handlungsanleitung
durch die Sektenbeauftragten kann einen Flächenbrand verursachen,
der in der Regel die Existenz des Motivationstrainers oder psychologischen
Fortbildners völlig vernichtet.
Es gibt also nur eines: zu zeigen, dass sich hinter den Diffamierungen
meist so viel oder so wenig Wahrheitsgehalt verbirgt wie im Blick auf
wohlgelittene
Anbieter auch. So trifft beispielsweise der Vorwurf der Sektenbeauftragten,
dieser oder jener Fortbildner hätte keine angemessene Ausbildung,
oftmals nicht nur sie selbst, sondern auch manche kirchlich-psychologischen
Anbieter. Mißbrauch der psychotherapeutischen Situation gibt es
natürlich
auch in den Kirchen. Mit anderen Worten: Was die
Sektenbeauftragten Außenstehenden vorwerfen, geschieht auch in
den eigenen Reihen.
Es scheint so, als ob es hierzulande besonders schwer wäre, eine offene Gesellschaft zu erhalten, die gegen Vorurteile jeglicher Provenienz Front macht. Gegenwärtig gibt es in Deutschland gesellschaftlich sanktionierte und geahndete Vorurteile. Solche Verhältnisse stehen einer Gesellschaft der Freien im Wege."