Der Sturm im Wasserglas - Vorwürfe und Fakten
 
Viele der gängigen Unterstellungen gegen die Scientology Kirche entstammen den beschriebenen "Beurteilungskriterien". Zu einer Reihe dieser Vorwürfe und Unterstellungen wurde in den zurückliegenden Seiten bereits Stellung genommen. In diesem Kapitel soll eine Auswahl weiterer "gängiger" Vorwürfe im Lichte der Fakten betrachtet werden.

 Die dargelegten Zielsetzungen der bundesdeutschen "Sektenpolitik" erklären, warum solche Anschuldigungen aus einer scheinbar nie versiegenden Quelle immer wieder neu konstruiert werden, selbst noch nach ihrer Widerlegung. Sie müssen geradezu aufrechterhalten werden. Ungeachtet aller für die Scientology Kirche positiv abgeschlossenen Untersuchungen wiederholen die Interessenvertreter der Amtskirchen wie auch manche Behörden, Politiker, Regierungsrepräsentanten und natürlich auch Mitglieder der Enquete unter dem Deckmantel der "Aufklärung" und der "Information" immer neue kunstvoll gestrickte Vorwürfe in immer neuen Verlautbarungen, Publikationen, Vorträgen und in Medienberichten.

 Die gängige Rechtfertigung staatlicher Stellen, die pauschalen Beschuldigungen und Angriffe gegen die Scientology Kirche wendeten sich "nicht gegen das einzelne Scientology-Mitglied, sondern gegen das System", ist zumindest hämisch: Genausogut könnte man einen Ameisenhügel zertreten, der einem im Weg steht, und dann darauf plädieren, daß man gegen die Ameisen ja nichts habe, nur gegen den Ameisenhügel. Bereits die Nazis hatten ähnlich argumentiert: Nicht der Jude als Einzelperson sei "Zielscheibe des Hasses", sondern nur "das Judentum als weltpolitischer Machtfaktor", ließ Reichsamtsleiter Dr. Streck noch 1936 verlauten.

Das "System", die Organisation, ist die Summe ihrer Teile; es besteht aus Individuen; jeder Angriff gegen "das System" trifft Bürger dieses Landes - Familien, Senioren, Frauen, Jugendliche und sogar Kinder von Scientologen. Diese Bürger gegen derartige Angriffe zu schützen wäre hingegen die eigentliche Aufgabe und Pflicht der Bundesregierung und auch der Enquete.

Mit Hilfe der Enquete-Initiatorin und "sektenpolitischen Sprecherin" der SPD-Bundestagsfraktion, Renate Rennebach, veröffentlichte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Jahre 1996 eine Broschüre mit dem Titel Die Scientology-Organisation. Diese Veröffentlichung dient als Grundlage für die folgende Richtigstellung, weil sie beispielhaft eine Reihe gängiger Unterstellungen beinhaltet. Die Richtigstellungen beschränken sich aber nicht auf Äußerungen in dieser Broschüre, sondern stützen sich auch auf anderes Material (zum Beispiel Medienberichte).

 Notwendigerweise kann im Rahmen dieser Stellungnahme nur ein kleines Spektrum von Vorwürfen aufgegriffen werden. Auf Anfrage ist die Scientology Kirche gerne bereit, zu etwaigen anderen Fragen Auskunft zu geben.

 Die folgenden Beispiele dienen nicht nur dazu, korrekte Informationen zu durchaus inkorrekten Unterstellungen und Verdrehungen zu geben, sondern sollen auch Stilmittel, Motive und Absichten solcher Unterstellungen aufzeigen:

I.

 BEHAUPTUNG: Laut Bundesarbeitsgericht sei das Weltbild der Scientology Kirche "menschenverachtend".

 RICHTIGSTELLUNG: Als Grundlage für die Bewertung "menschenverachtend" diente dem Gericht im wesentlichen ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat aus den Werken L. Ron Hubbards. Gemäß der Logik des Gerichts ist jedoch auch das christliche Weltbild, das sich unter anderem die Regierungspartei zu eigen gemacht hat, klar und deutlich als "menschenverachtend" zu bezeichnen, ganz zu schweigen von speziellen Glaubensausrichtungen, wie der evangelisch-lutherischen. Dies wurde an anderer Stelle bereits ausführlich dokumentiert. So könnte auch ein einfaches Zitat aus der Bibel den gleichen Schluß zulassen. Da wird zum Beispiel dazu aufgefordert, daß Menschen eines bestimmten Schlages mit einem Mühlstein um den Hals "ersäuft werden im Meer, wo es am tiefsten ist".

Auch hier wird nur allzu deutlich, daß man etablierte und neue Religionen - und ihnen zugeschriebene Textstellen - in Deutschland mit zweierlei Maß mißt. Das Alte und das Neue Testament beinhalten weit über 1000 (!) Textstellen, in denen zu Gewalt gegen andere aufgerufen wird oder in denen anderes menschenverachtendes Gedankengut zum Ausdruck kommt. Wie würde eine Bewertung des Bundesarbeitsgerichts unter objektiven Gesichtspunkten hierzu wohl ausfallen?

 II.

 BEHAUPTUNG: Scientology vertrete einen "totalitären Alleinvertretungsanspruch", verfolge ein "rigides dualistisches Weltbild" von Gut und Böse und erhebe einen "Absolutheitsanspruch auf den einzig wahren Heilsweg".

 RICHTIGSTELLUNG: Es gibt keine Religion, die nicht von sich selbst glaubt, daß sie die Antworten auf die Fragen der Menschheit und deren Erlösung hat und daß diese Antworten richtig oder zumindest "richtiger" sind als die Antworten anderer Religionen. Dies trifft auf die christlichen Großkirchen, den Islam und Sektenausformungen dieser Gemeinschaften im übrigen mehr zu als auf die Scientology Kirche. Letztere erlaubt immerhin ihren Mitgliedern die Doppelmitgliedschaft, d. h. das einzelne Mitglied kann seine bisherige Religionszugehörigkeit beibehalten. Manche östliche Religionen, wie der Buddhismus, haben dies immer so praktiziert. Und in deren Tradition sieht sich auch die Scientology Kirche.

Die Scientology Kirche vertritt auch kein "rigides dualistisches Weltbild" von undifferenziertem Gut und Böse. Das genaue Gegenteil ist der Fall, wie sich an ihrer Ethiklehre aufzeigen läßt. Gut und Böse sind vielmehr relative Begriffe, abhängig von dem Ausmaß an "kreativem Aufbau" oder "destruktiver Zerstörung". Immanenter Bestandteil der scientologischen Lehre ist eine "unendlichwertige Logik" (absolute Werte für richtig oder falsch sind unerreichbar), im Gegensatz beispielsweise zu der zweiwertigen Logik des Aristoteles (absolute Werte für richtig und falsch) oder einer dreiwertigen technischen Logik (absolut richtig oder falsch und vielleicht). Allein schon von daher verbietet sich ein "rigide-dualistisches Weltbild".

 L. Ron Hubbard selbst formulierte die "Absolutheit" seiner Religion wie folgt: "Scientology ist ein funktionierendes System. Das heißt nicht, daß es das beste aller möglichen Systeme oder ein perfektes System ist."

 Nichtsdestotrotz ist Scientology für überzeugte Scientologen ihr Weg zur Erlösung, genauso wie für Buddhisten der Buddhismus oder für Christen die Lehre Jesu Christi.

 III.

 BEHAUPTUNG: Scientology verfüge über ein "Gewaltpotential" und sei "militant".

 RICHTIGSTELLUNG: Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß die Scientology Kirche wohl zu den wenigen Religionsgemeinschaften zählt, die Gewalt in allen Formen ablehnt und diesbezüglich nicht einmal beim einfachen Mitglied jemals hervorgetreten ist.

 Es gibt keine Weltreligion (einschließlich der in der Regel friedfertigen buddhistischen Glaubensrichtungen), die nicht bereits durch gewalttätige Übergriffe gegen "Ungläubige"

oder Gegner Schlagzeilen gemacht hätte - außer genau denjenigen, denen der Vorwurf gemacht wird, namentlich der Scientology Kirche.

 Über die "Militanz" brauchen erst gar keine Vergleiche angestellt werden. Sie wird der Scientology Kirche regelmäßig dann unterstellt, wenn sie "nicht auch noch die andere Wange hinhält", wie ihre Gegner es so gerne hätten, sondern sich gerichtlich oder in der öffentlichen Auseinandersetzung zur Wehr setzt. Daß dies von eben diesen Gegnern nicht gerne gesehen wird, ist verständlich.

 Mangels tatsächlicher Militanz und Gewalt spricht man dann auch von "Gewaltpotential". Mit der Verwendung solcher Begriffe erreicht man die gewünschte propagandistische Wirkung, auch dann, wenn nichts dahintersteht.

 Ein grundlegender Irrtum - falls es denn einer ist und nicht einfach ein absichtlicher Trugschluß - ist im übrigen die Sichtweise, daß die Scientology Kirche und ihre Mitglieder für jedes irgendwann einmal geäußerte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitat ihres Religionsstifters verantwortlich zeichnen müßten, oder solche isolierten Zitate gar der gelebte Glaube schlechthin wären. Mit dieser Formel reduziert sich auch die Bibel auf "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Wie bereits früher dargelegt, ist diese Sichtweise nicht haltbar, allein schon aus der tatsächlichen und beobachtbaren Praxis heraus. Dieser Umstand zählt natürlich für eine Reihe von "Zitaten", auf die auch innenministerielle Stellen so gerne verweisen, wenn sie von Gewaltpotential sprechen.

 Prophylaktisch sei hier auch erwähnt, daß jegliche Richtlinie L. Ron Hubbards, würde sie die spezifischen Gesetze eines Landes verletzen, für die Kirche oder ihre Mitglieder nicht bindend ist. Die Satzung der Scientology Kirche enthält einen ausdrücklichen Passus zu dieser Problematik. Da L. Ron Hubbard die Befolgung der Gesetze eines Landes als übergeordnetes Prinzip darstellt - eigentlich selbstverständlich, aber man muß hier nochmals darauf hinweisen - stehen innerkirchliche Richtlinien erst in zweiter Reihe. Da Scientology in über 100 Ländern der Erde vertreten ist, mit unterschiedlichster Gesetzgebung, ist diese Praxis um so mehr nachvollziehbar.

 IV.

 BEHAUPTUNG: Scientology sei "totalitär strukturiert".

 RICHTIGSTELLUNG: Welche Religionsgemeinschaft ist nicht "totalitär strukturiert"? Der hierarchische Aufbau der Scientology Kirche ist nicht mehr "totalitär strukturiert" als die Hierarchie anderer Religionsgemeinschaften, Organisationen oder auch Behörden und Regierungsstellen.

Auch bei Ordensgemeinschaften findet man durchweg einen hierarchischen Aufbau. Die in Deutschland als Körperschaft des Öffentlichen Rechts anerkannte Heilsarmee ist sogar in militärischer Tradition mit Generälen und ähnlichen Rängen organisiert. Niemand spricht dort von "totalitären Strukturen".

Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, wie bezüglich der Religionsgemeinschaft der Bahaii, erachten im übrigen eine hierarchische Struktur für Religionsgemeinschaften als selbstverständlich.

Ähnlich dem "Gewaltpotential" muß auch hier auf den Schlagwort- und Vernebelungscharakter des Begriffs hingewiesen werden, hinter dem sich nur heiße Luft verbirgt. "Hierarchisch strukturiert" wird mit "totalitär strukturiert" gleichgesetzt. Ist die Bundesregierung "totalitär strukturiert", weil ein Minister über dem jeweiligen Staatssekretär steht? Oder ein Regierungsangestellter mehr schnell als langsam von seinem Vorgesetzten gefeuert werden kann, wenn er Anlaß dazu bietet?

 V.

 BEHAUPTUNG: Scientology strebe die "Weltherrschaft" an.

 RICHTIGSTELLUNG: Nirgendwo in der Literatur der Scientology Kirche findet sich ein Hinweis auf ein Streben nach "Weltherrschaft". Der Scientology Kirche schwebt ein erleuchtetes Zeitalter auf Erden vor. Das ist, was sie unter "Clear the Planet" (den Planeten "klären") versteht. Im Gegensatz dazu weisen andere Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften durchaus konkrete Aspekte auf, die eher die Interpretation in Richtung politischer Interessen nahe legen. Die Schlußfolgerung, wie im Gutachten des Herrn Jaschke, daß die "Klärung des Planeten" eine "zwangsläufige Außerkraftsetzung wesentlicher Teile der liberalen, rechtsstaatlichen und demokratischen Grundsätze unserer Verfassungsordnung" herbeiführe, ist geradezu grotesk. Ein konkretes Faktum hierzu nennt er auch nicht.

Genausogut könnte man letztere Behauptung auf jede einzelne Weltreligion ummünzen, und zwar auf der Grundlage von real existierenden politischen Systemen staatsreligiöser Prägung. Ob Iran, Saudiarabien oder Vatikan: Herr Jaschke würde sich schwer tun, die "wesentlichen Teile" einer demokratischen Verfassungsordnung in solchen und hundert ähnlichen Staaten zu finden, die politisch von einer der derzeitigen Hauptreligionen geprägt sind. Immerhin 80 % (!) aller Länder dieser Erde kennen für uns selbstverständliche Menschenrechte nicht oder nur zum Teil. Die meisten dieser Länder sind staatsreligiös geprägt.

VI.

 BEHAUPTUNG: Die Scientology Kirche stelle weder eine Religions- noch eine Weltanschauungsgemeinschaft dar, sondern ein Wirtschaftsunternehmen (Gewerbe).

 RICHTIGSTELLUNG: Es muß verstanden werden, daß die gesamte antireligiöse Kampagne bestimmter Regierungsstellen gegen Scientology auf der bloßen Behauptung fußt, daß Scientology keine Religionsgemeinschaft sei. Das Aufstellen dieser "Prämisse" als Grundlage der Hetzkampagne ist geradezu zwingend, um sich nicht automatisch dem Vorwurf der Ungleichbehandlung und der Mißachtung der Religionsfreiheit und der Menschenwürde auszusetzen.

 Der deutsche Religionswissenschaftler Professor Günter Kehrer analysierte den Stellenwert dieser Vorgehensweise offizieller Sektenbekämpfer gegenüber neuen Religionen einmal wie folgt: "Unter den Bedingungen moderner Gesellschaften mit garantierter Religionsfreiheit bedeutet dies vor allem: die Nihilierung der Eigenschaft, Religion zu sein oder wenigstens den Versuch, zwischen Religionen qualitativ zu unterscheiden, d. h. zwischen guten und schlechten Religionen."

 Der Auffassung von deutschen Regierungsstellen diametral entgegengesetzt sind hingegen die Beurteilungen von über 30 Gerichten nur in der Bundesrepublik sowie zahlreiche, weltweite Entscheidungen von Gerichten, Regierungsstellen und Behörden und die Untersuchungsergebnisse der renommiertesten Religionswissenschaftler. Auch internationale Menschenrechtsgremien wie beispielsweise die Vereinten Nationen, die Helsinki-Kommission der OSZE oder das US-Außenministerium ordnen die Menschenrechtsverletzungen bundesdeutscher Regierungsstellen, die auch in der internationalen Presse angeprangert wurden, eindeutig in die Kategorie religiöser Diskriminierung ein. An dem religiösen Charakter der Scientology Kirche besteht vor internationalen Gremien jedenfalls kein Zweifel (siehe hierzu auch die Kapitel Scientology ist eine Religion und Die Bundesrepublik verletzt bindende Menschenrechtsabkommen ).

Über Jahre wurde die Scientology Kirche in Deutschland als "Wirtschaftsunternehmen" bzw. "Gewerbe" etikettiert. Die rechtlichen Auseinandersetzungen zu diesen Unterstellungen mußten zwangsweise durch alle Instanzen geführt werden.

 Am 6. November 1997 verkündete das Bundesverwaltungsgericht in Berlin ein Urteil, das den jahrzehntelangen Rechtsstreit zwischen Regierungsbehörden und der Scientology Kirche einer endgültigen Klärung zuführt.

 In ihrem Urteil geben die höchsten deutschen Verwaltungsrichter die rechtlichen Prämissen dafür vor, daß die Vermittlung der Lehre der Scientology Kirche und die Seelsorge gegenüber ihren Mitgliedern keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb darstellt.

 In der offiziellen Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgericht vom 6.11.97 heißt es dazu: "Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, daß ein Verein keinen Wirtschaftsbetrieb unterhält, soweit er seinen Mitgliedern Leistungen anbietet, in denen sich die Vereinsmitgliedschaft verwirklicht und die unabhängig von den mitgliedschaftlichen Beziehungen nicht von anderen Anbietern erbracht werden können. Dann liegt nämlich keine unternehmerische Tätigkeit vor. Dies ist beim Kläger der Fall, wenn das nach seiner Satzung als geistliche Beratung zu verstehende sog. Auditing und die Seminare und Kurse zur Erlangung einer höheren Daseinsstufe von gemeinsamen Überzeugungen der Mitglieder getragen sind, von denen sie nicht gelöst werden können, ohne ihren Wert für den Empfänger zu verlieren."

 Und eine andere Ausrichtung der Mitgliedschaft sei beim Kläger, einer Scientology Mission, nicht ersichtlich, wie das Gericht anmerkt.

 Damit ist auch die Behauptung der Bundesregierung widerlegt, wonach das Bundesarbeitsgericht die Frage der wirtschaftlichen Betätigung von Scientology im Jahre 1995 höchstrichterlich geklärt hätte. Genau das hat es nicht.

 In Folge des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts haben sich in den letzten Monaten zahlreiche Verwaltungsverfahren, die diesen Streitpunkt zum Thema hatten, erledigt.

 VII.

 BEHAUPTUNG: Der Begriff "Ethik" sei in Scientology als "die Entfernung von Gegenabsichten und Fremdabsichten" definiert. Damit sei gemeint: "Rigoroses Vorgehen gegen 'Abweichler' und Gegner" und im weiteren Schluß eine "verfassungswidrige Ethik", die "gegen die Menschenwürde gerichtet sei".

RICHTIGSTELLUNG: Der angebliche scientologische Ethikbegriff ist ein auch von Enquete-Mitgliedern gern bemühtes "Zitat", dient er doch der Untermauerung der angeblichen "Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung". Nur: So steht das nirgends geschrieben.

 Die "Zitatesucher" verwechseln den Begriff mit einer organisatorischen Richtlinie mit dem Titel "Ethics", die sich allerdings auf die sogenannte "Ethik-Abteilung" in einer Scientology Kirche bezieht - und nicht auf den "philosophischen" Begriff der Ethik und seine Definition.

Diese innerkirchliche Disziplinarabteilung wird ausweislich der kirchlichen Nomenklaturverzeichnisse ebenfalls mit dem englischen Begriff "Ethics" bzw. der deutschen Entsprechung "Ethik"(-Abteilung) bezeichnet.

 Der Zweck dieser Abteilung ist es, genannte "Gegenabsichten" und "Fremdabsichten" aus der Umwelt zu entfernen. Diese Begriffe sind innerkirchlich wie folgt definiert:

"Gegenabsicht: eine Entschlossenheit, ein Ziel zu verfolgen, das in direktem Widerspruch zu denjenigen Zielen steht, die als die Ziele der Gruppe bekannt sind."

 "Fremdabsicht: ein Geisteszustand, in dem man ein anderes Ziel verfolgen will als jene Ziele, die als die Ziele der Gruppe bekannt sind."

Unter "Entfernen von Gegen- oder Fremdabsichten" wird in Scientology nichts anderes verstanden als das, was beispielsweise bei den Amtskirchen unter sogenannten "Amtszuchtverfahren" oder in der staatlichen Verwaltung oder bei einem Verein unter Disziplinarverfahren üblicherweise verstanden wird: nämlich die betreffende Person zu korrektem verantwortungsbewußten Verhalten im Rahmen ihrer Aufgaben zu veranlassen.

 Die "Ethik"-Abteilung kann verschiedene disziplinarische Verfahren einleiten und übergibt in so einem Fall die Angelegenheit einem unparteiischen Ausschuß zur Ermittlung und Entscheidung nach Anhörung der betroffenen Person (siehe hierzu auch XV. im folgenden).

 Jedes kirchliche oder weltliche Rechts- oder Disziplinarwesen behandelt keine andere Materie. Nur solche Taten oder Unterlassungen werden korrigiert, diszipliniert oder bestraft, die sich gegen den vorwärtsgerichteten Impuls einer Gruppe oder Gesellschaft oder gegen ihre Ziele, Regeln oder Zwecke richten. Dies ist eigentlich sehr einfach nachzuvollziehen, auch wenn die Enquete sich damit schwer zu tun scheint.

Was machen denn UNICEF, BMW, die evangelische Kirche oder die CSU, wenn sie feststellen oder auch nur glauben, daß in ihren Reihen jemand gegen die Ziele oder Zweckbestimmungen ihrer "Gruppe" arbeitet, heimlich oder auch offen? Schauen sie dann etwa zu? Wohl kaum. Sie und andere Organisationen und Vereinigungen unternehmen natürlich etwas gegen die betreffende Person und sei es nur ein klärendes Gespräch. Bei kriminellen Regelverstößen wird staatlicherseits auch gleich der Täter - nicht nur seine "Gegenabsicht" - aus der Gesellschaft entfernt und in einem Gefängnis verwahrt.

 Die scientologischen Definitionen sind bei genauerem Hinsehen durchaus allgemeingültig und alles andere als verwerflich.

 Auch hier wird deutlich, wie Scientology-Gegner die Normalität flugs zur "Abnormalität" umdefinieren, wenn dies nützlich erscheint, obwohl selbst sie bei Disziplinarverfahren bis hin zu Entlassungen oder gar Berufsverboten natürlich nichts anderes tun, als "Gegenabsichten zu entfernen", um bei diesem rein philosophischen Begriff zu bleiben.

 Auch die Nichtanstellung von Scientologen in den öffentlichen Dienst in Bayern beziehungsweise die angedrohte Entfernung aus dem Dienst bei scientologischen Beamten wird fast aufs Wort damit begründet, daß die Ziele von Scientology "in direktem Widerspruch" mit den Zielen der demokratischen Grundordnung stünden.

 Hier sollen sogar "Gegenabsichten entfernt" werden, wo gar keine sind, - während bei Scientology schon eine bewußt falsch ausgelegte Definition genügt, um die "Verfassungsfeindlichkeit" zu "belegen".

 Der englische Begriff "Ethics" in seiner philosophischen Definition wird in Scientology hingegen wie folgt definiert:

"ETHIK: Das Studium/die Lehre über die allgemeine Natur moralischer Standards (Moral: Die Prinzipien von richtigem und falschem Verhalten) und der spezifischen moralischen Auswahl, die ein Individuum in seiner Beziehung zu anderen treffen muß."

 Weiter heißt es in den Werken L. Ron Hubbards:

 "Ethik besteht in Wirklichkeit aus Vernunft in Richtung auf die höchste Ebene des Überlebens für das Individuum, die kommenden Generationen, die Gruppe, die Menschheit und die anderen Dynamiken [hier: Lebensbereiche, wie z. B. die Natur, die Familie; Anm. d. V.] zusammengenommen.

Ethik ist Vernunft.

Das höchste Ethikniveau würde aus langfristigen Überlebenskonzepten mit minimaler Zerstörung bestehen, und zwar auf allen Dynamiken.

Die optimale Lösung für jedes Problem wäre die Lösung, die den größten Nutzen für die größte Anzahl von Dynamiken bringen würde. Die schlechteste Lösung wäre diejenige, die der größten Zahl von Dynamiken den größten Schaden bringen würde.

-

Ethik besteht aus den Handlungen, die der einzelne auf sich nimmt, um optimales Überleben für sich und andere auf allen Dynamiken zu erreichen. Ethische Handlungen sind Überlebenshandlungen.

-

Sprechen wir von Ethik, so sprechen wir von richtigem und falschem Verhalten. Wir sprechen von Gut und Böse. Das Gute kann man als eine konstruktive Überlebenshandlung bezeichnen.

-

Damit etwas gut ist, muß es dem Individuum, seiner Familie, seinen Kindern, seiner Gruppe, der Menschheit oder dem Leben etwas geben. Um gut zu sein, muß das Konstruktive einer Sache das in ihr enthaltene Zerstörerische übertreffen.

-

Das Gute ist Überleben. Das Gute bedeutet, mehr recht als unrecht zu haben. Das Gute ist, in konstruktiven Zielrichtungen in größerem Maße erfolgreich als erfolglos zu sein."

Die "Ethik-Technologie" der Scientology Kirche gibt dem Individuum folglich eine Anleitung, die bestmögliche Entscheidung aufgrund der gegebenen Umstände der konkreten Situation zu treffen. Ethik bezeichnet innerhalb der Scientology-Lehre im übrigen jene Maßnahmen, die das Individuum von sich selbst aus unternimmt, um sich zu korrigieren oder von destruktivem Verhalten abzuhalten.

Mit disziplinarischen Maßnahmen, die wie dargelegt auch alles andere als verfassungswidrig sind, ist der Begriff "Ethik" von vornherein nicht zu verwechseln, vielmehr handelt es sich nach der Lehre von Scientology um ein jeder Person grundsätzlich innewohnendes Bewußtsein für richtig und falsch.

 VIII.

 BEHAUPTUNG: Kirchliche Attribute würden benutzt, um "den Verkauf zu steigern".

 RICHTIGSTELLUNG: In einer Zeit, in der die Amtskirchen unter Massenaustritten leiden, wirken "kirchliche Attribute" mit Sicherheit nicht "verkaufssteigernd". Diese Behauptung ist auch eines von vielen Beispielen für die Widersprüchlichkeit der Argumente, die von weltanschaulichen Gegnern ins Feld geführt wird. In diesem Fall traut man der Scientology Kirche zu, daß sie sich wie ein marktstrategischer Stümper verhält, während ihr sonst meist knallharte Geschäftstüchtigkeit vorgehalten wird.

 Die Wahrheit ist, Scientology präsentiert sich als das, was sie ist: eine Religionsgemeinschaft. Und sie macht von ihrem Recht Gebrauch - wie jede andere Kirche auch - alle modernen Kommunikationsmittel zu verwenden, um ihren Glauben zu verbreiten. Wenn dabei keine Kirchenglocken läuten, dann liegt das daran, daß Scientology im 20. Jahrhundert entstanden ist. Das tut ihrem Status als echter Religion jedoch keinen Abbruch.

 Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Bryan Ronald Wilson schreibt dazu: "Scientology ist eine Religion, die in einer von der Wissenschaft geprägten Epoche entstanden ist. Ihre Methoden sind geprägt vom Zeitalter ihrer Entstehung."

 IX.

 BEHAUPTUNG: Hubbard lehne "Recht als Anwendung des Gesetzes ab".

RICHTIGSTELLUNG: Hubbard lehnt Recht - im Sinne der Anwendung staatlicher Gesetze - natürlich nicht ab. In dem von ihm verfaßten Moralkodex Der Weg zum Glücklichsein schreibt er unter der Regel Tun Sie nichts Illegales: "Wenn Sie merken, daß jemand in Ihrer Umgebung illegale Handlungen begeht, sollten Sie alles tun, was Ihnen nur möglich ist, um ihn davon abzubringen."

 Am Ende der Aufzählung innerkirchenrechtlicher Vergehen steht sogar der Satz: "Nichts in diesem Kapitel soll je oder unter irgendwelchen Umständen irgendeine Verletzung der Gesetze des jeweiligen Landes oder irgendeinen absichtlichen Rechtsbruch rechtfertigen. Jeder solche Verstoß soll den Schuldigen sowohl den gesetzlich vorgeschriebenen Strafen als auch [innerkirchlichen] Ethik- und Rechtsmaßnahmen aussetzen."

 Deutlicher kann man es wohl kaum sagen.

 Das hinderte aber auch Enquete-Mitglieder bislang nicht, die "Abkehr von Recht und Gesetz" und - als notwendige Begründung der Überwachungsforderungen - die prognostizierte Aushöhlung des unabhängigen Gerichtswesens ohne irgendwelche Belege zu konstruieren. Allein die bloße Tatsache einer innerkirchlichen disziplinarischen Rechtsprechung wird als "Beweis" dafür bemüht, daß man mit "normaler" Jurisdiktion nichts am Hut hätte. Daß hunderte gesellschaftliche und natürlich auch religiöse Gruppierungen - vom Sportverein bis zu den Gewerkschaften, den Parteien und der katholischen Kirche - über eine interne disziplinarische Rechtsprechung verfügen, genügt offenbar nicht, um den Betreibern dieser Argumentation die Absurdität ihrer Logik aufzuzeigen.

 Das Enquete-Mitglied Ralf Bernd Abel geht in einem von ihm verfaßten Gutachten sogar so weit, mit einem einzigen "Zitat" den Beleg dafür zu konstruieren, daß Scientology die bestehende Rechtsordnung "pauschal ablehnt" und im Falle von "politischer Macht" nur noch ihr eigenes innerkirchliches Rechtssystem zulassen würde. Das inkriminierte "Zitat" im Wortlaut: "Das Rechtssystem ist in einem Sumpf latinisierter grammatikalischer Kompliziertheit festgefahren und ist traurigerweise zu einem Gefecht der besseren Argumente zwischen den Anwälten geworden."

 Abels auf dieses Zitat gestützte Argumentation erinnert weit mehr an "nationalsozialistisches Rechtsverständnis", als das umgekehrt - wie er meint - das scientologische Rechtsverständnis tue. Denn er ist es, der schon die geringste Kritik am Rechtssystem zum Anlaß nimmt, den "Kritiker" als rechtloses Subjekt darzustellen, der besser heute als morgen als staatsgefährdend verboten werden sollte.

 Weder L. Ron Hubbard noch die Scientology Kirche in Deutschland - um die es hier geht, daran muß man leider immer wieder erinnern - hat je die Befolgung staatlicher Gesetze in Frage gestellt oder die bestehende Rechtsordnung abgelehnt. Das innerkirchliche Rechtssystem ist, wie bei vielen anderen Vereinen oder Religionsgemeinschaften auch, nur für interne disziplinarische Angelegenheiten zuständig oder als Schlichtungsstelle für zivilrechtliche Angelegenheiten unter Mitgliedern und - Einverständnis der Parteien vorausgesetzt - auch zwischen einem Mitglied und einem Nicht-Mitglied. Diese Schlichtungsstelle dient letztlich der Entlastung der Zivilgerichte. Alle solchen zivilrechtlichen Angelegenheiten werden - dem Charakter der Schlichtungsstelle entsprechend - von einem Kaplan der Scientology Kirche geleitet.

 Rechtsanwälte sind in solchen Verfahren grundsätzlich zugelassen, auch wenn der Gutachter Abel anderer Meinung ist.

 Jedes "weltliche" Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches wird im innerkirchlichen Rechtssystem lediglich mit Hinblick auf die Folgen für die Mitgliedschaftsrechte der oder des Betreffenden verhandelt. Darüber hinaus untersteht die Person den üblichen Rechtsverfahren im jeweiligen Land. Dieses entscheidende Detail der scientologischen "Rechtsprechung" ist dem Gutachter Abel im Selbststudium offenbar entgangen. Auch er hat die Scientology Kirche nie um eine Stellungnahme zu seinen Theorien bemüht, weil er zu Recht befürchten mußte, daß sein Gutachten zumindest hinsichtlich der festgelegten Zielsetzung dann nicht zustandegekommen wäre.

 Zum Vergleich muß auch hier darauf hingewiesen werden, daß die existierenden innerkirchlichen Rechtssysteme aller Weltreligionen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Schnittstellen mit dem jeweiligen staatlichen Rechtssystem weit mehr Anlaß zur Besorgnis geben sollten - unter dem Gesichtspunkt der von Ralf Bernd Abel verwendeten Kriterien - als die innerkirchlichen Disziplinarverfahren der Scientology Kirche. Ob man nun auf die innerkirchliche Rechtsprechung der katholischen Diözesen in Deutschland blickt, die Sharia-Praktiken islamischer Staaten oder auch die Religionsgerichte im Judentum, die z. B. exklusiv für Scheidungen zuständig sind: Alle Weltreligionen ersetzen durch eigene Rechtsverfahren Teile der weltlichen Rechtsordnung oder ergänzen diese.

 Nur die Scientology Kirche macht das eben gerade nicht, wenn man von den erwähnten Schlichtungsverfahren einmal absieht. Daß die Scientology Kirche solche Verfahren als billiger, einfacher und schneller propagiert als vor Gericht zu gehen, kann im Zeitalter der "Mediation" wohl schwerlich als Gefährdung des Rechtsstaats angekreidet werden, auch wenn das Enquete-Mitglied Abel genau das konstruiert.

 X.

 BEHAUPTUNG: Im Umgang mit Kritikern sei kein Platz für Dialog und sachliche Auseinandersetzung. Vielmehr müsse der Kritiker verfolgt und bedroht werden.

 RICHTIGSTELLUNG: Diese Unterstellung ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Wie bereits an früherer Stelle dargelegt, bemüht sich die Scientology Kirche seit Jahrzehnten, mit Vertretern der Bundesregierung und Parlamentariern in Dialog zu treten und eine sachliche Auseinandersetzung zu führen. Als Reaktion erhält sie nichts als - teilweise äußerst arrogante - Absagen.

 Stattdessen finden hinter verschlossenen Türen Kommissionssitzungen, Ausschüsse und Tagungen von immer neuen "Arbeitsgruppen" statt, in denen mit "Kritikern" über Scientology diskutiert, Beschlüsse gefaßt und Maßnahmenkataloge gegen Scientology verabschiedet werden. Den Betroffenen, den Scientologen, wird die Teilnahme grundsätzlich verwehrt.

 Gleichzeitig nimmt die Diskriminierung gegen einfache Mitglieder der Scientology Kirche deutlich zu - allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Auch wenn bestimmte Regierungsstellen dies aus verständlichen Gründen (eigene Beteiligung) nicht wahrhaben wollen, sind sie bundesdeutsche Wirklichkeit. Die größten internationalen Menschenrechtsorganisationen (UN, OSZE) und das US-Außenministerium haben bereits mehrmals mit Besorgnis hierauf aufmerksam gemacht.

 Der Vorwurf der Verfolgung und Bedrohung von Kritikern wird zwar seit Jahren mit nicht nachlassender Penetranz wiederholt, ist jedoch spätestens seit der bereits genannten Einstellungsverfügung der Hamburger Staatsanwaltschaft vom 23. Juni 1994 vom Tisch. Im Rahmen der dreijährigen Ermittlungen waren alle "Kritiker", die in den Medien von ihrer Verfolgung berichteten, als Zeugen vernommen worden, aber kein einziger konnte auch nur eine einzige verwertbare Angabe machen.

 Eine durchaus verwertbare Angabe konnte aber ein Journalist gegenüber der Stuttgarter Staatsanwaltschaft machen. Bei einem mittlerweile eingestellten Verfahren, bei dem es auch um den Vorwurf der Kritikerverfolgung bis hin zu (sämtlich erfundenen) "Morden" ging, wurde besagter Journalist als Zeuge geladen. Er hatte zuvor über massive Bedrohungen durch die Scientology Kirche berichtet, auch daß er überfallen und verletzt worden sei.

 Vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft räumte er schließlich ein, die Bedrohungen und den angeblich auf ihn verübten Überfall vorgetäuscht zu haben, um "Interesse an seinen Recherchen zu wecken", wie es im Einstellungsbescheid heißt.

Dieses Beispiel (und eine Reihe ähnlicher) zeigt auch einen anderen Aspekt auf, der bereits an früherer Stelle hervorgehoben worden ist und im vorliegenden Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden kann: Es gibt klare definitorische Unterschiede zwischen den Begriffen "Kritiker" und "Verleumder", ebenso wie zwischen "Kritiker" und "vehementer Gegner".

Wenn jemand Steine in die Fenster einer Scientology Kirche wirft, dann ist er genauso wenig ein "Kritiker", wie jemand, der glaubt, Scientologen als "arme Opfer" verunglimpfen zu müssen. In der öffentlichen Auseinandersetzung reklamiert aber jeder Rufmörder und natürlich auch jedes Enquete-Mitglied, das sich die Zerstörung Scientologys auf die Fahnen geschrieben hat, den Begriff "Kritiker" als Berufsbezeichnung.

1970 nahm L. Ron Hubbard in dem amerikanischen Magazin MayFair zum Thema Kritik wie folgt Stellung: "Völlige Lügen und falsche Anschuldigungen erlauben es einem nicht, etwas zu korrigieren. Aber ehrliche und berechtigte Kritik ist immer willkommen, da sie einer Menge guter Leute hilft, eine bessere Arbeit zu leisten. Eine bekannte Persönlichkeit, seit Jahren einer meiner Freunde, sagte einmal: 'Wenn die Leute nur mehr und ehrlich und akkurat Kritik üben würden! Ich betrachte sie nicht als meine Freunde, wenn sie es nicht tun.' Deshalb zähle ich William Borroughs zu meinen Freunden. Was immer er schreibt, er versucht, die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken - wie dies auch die Scientologen zu tun versuchen."

 Die Verantwortlichen in der Scientology Kirche wären dumm, wenn sie ehrliche und berechtigte Kritik nicht willkommen heißen und ihre Fortentwicklung nicht aus dieser Kritik heraus gestalten würden. Selbstverständlich tun sie das. Aber niemand kann allen Ernstes erwarten, Hetzreden, Verleumdung und üble Nachrede, die als "Kritik" getarnt werden, unter demselben Gesichtspunkt zu betrachten.

 XI.

 BEHAUPTUNG: Das seelsorgerische Verfahren "Auditing" setze - laut einem Professor Kind - "psychisch instabile Menschen erheblichen Gefahren aus".

 RICHTIGSTELLUNG: Um diese Meinung des Schweizer Psychiaters Hans Kind korrekt einordnen zu können, ist es hilfreich, seinen wissenschaftlichen Hintergrund zu beleuchten. Dr. Kind tritt für die "Vorzüge" von Heroin und Drogenkonsum ein, und er ist Initiator des ehemals berüchtigten Züricher "Nadelparks". In einem Interview mit der Schweizer Illustrierten legte Kind seine Absichten bezüglich der Legalisierung harter und gefährlicher Drogen - einschließlich Heroin - dar:

 "Es gibt heute viele Hinweise und Untersuchungen darüber, daß auch beim Heroin der kontrollierte, nicht abhängigmachende Gebrauch möglich ist."

 "Natürlich ist die Kriminalisierung [des Drogengebrauchs] völlig überflüssig. Außerdem würde das die Meinung in der Bevölkerung korrigieren, daß der Konsum von Heroin, auch unter sterilen Bedingungen, zum Untergang führen muß. Das ist einfach nicht wahr. Das kann man jahrelang ohne schwere gesundheitliche Folgen machen."

 Das "Gutachten" Kinds über das sogenannte Auditing basiert auf Gesprächen mit drei (!) Personen, von denen nur eine Person tatsächlich im sogenannten Dianetik-Verfahren "auditiert" (vom lateinischen "audire" = zuhören) worden ist. Dem entgegen stehen 30.000 Scientologen in Deutschland und 8 Millionen weltweit, die mit Hilfe des Auditingverfahrens ihr spirituelles Bewußtsein und ihr Leben verbessert haben.

 Schon in den 80er Jahren hatte der damalige Leiter des Kreisverwaltungsreferats der Stadt München, Peter Gauweiler, versucht, mit Hilfe eines psychiatrischen 'Gutachtens' die freie Ausübung der Scientology-Religion zu verbieten. Die Kirche beschritt den Rechtsweg.

 Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellte schließlich fest, daß die Scientology Kirche zu jener Zeit bereits seit 15 Jahren in München existierte und nicht der geringste Beweis vorliege, daß irgendjemandes Gesundheit oder geistiges Wohlbefinden durch die Seelsorge von Scientology geschädigt worden sei.

Das Berliner Verwaltungsgericht stellte folgendes zum Thema "psychiatrische Beurteilung religiöser Betätigung" fest: "Soweit der Beklagte [Stadt Berlin] Schäden für psychisch labile Personen durch die vom Kläger [die Scientology Kirche] durchgeführten Kurse, insbesondere das Auditing befürchtet und zum Nachweis hierfür wissenschaftliche Gutachten von Psychotherapeuten vorlegt, berücksichtigt er nicht hinreichend den Charakter der Kurse und Veranstaltungen als Teil einer religiös/weltanschaulichen Betätigung. - Diese Veranstaltungen [werden] jedoch nicht zu einer medizinischen Heilbehandlung, sie entziehen sich als Bestandteil eines religiös/weltanschaulichen Bekenntnisses mit einer entsprechenden Betätigung einer wissenschaftlichen Bewertung."

 XII.

 BEHAUPTUNG: Geistliche der Scientology Kirche unterlägen keiner Schweigepflicht "wie sie z. B. für Pfarrer oder Ärzte gilt. - Ein solches Verfahren widerspricht den Wertvorstellungen des Grundgesetzes - Außerdem könne[n] Auditing - zur Preisgabe sämtlicher Lebensumstände führen und auch den Verrat von Betriebsgeheimnissen bewirken."

 RICHTIGSTELLUNG: Viele Dinge "können" zu etwas führen und etwas bewirken. Auch Beichten in der katholischen Kirche "können" zur Preisgabe von Lebensumständen führen und den Verrat von Betriebsgeheimnissen bewirken. Die entscheidende Frage aber ist, ob sie dazu geführt haben. Tatsächlich ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Scientologe das in ihn gesetzte Vertrauen in dieser Hinsicht enttäuscht hat.

 Hier wird ohne Angabe von Fakten mit den Ängsten von Menschen vor verantwortungslosem Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten gespielt. Der sogenannte Auditor (nichts anderes als jemand, "der zuhört") unterliegt sehr wohl einer Schweigepflicht. Diesbezüglich gibt es sehr konkrete Richtlinien, die auch die Grundlagen für Auditing festlegen, und an die sich jeder Auditor halten muß (Der Auditorenkodex Punkt 22, aus Scientology 0-8 - Das Buch der Grundlagen, Seite 230).

 XIII.

 BEHAUPTUNG: "Als Einführung in das Scientology-Programm wird ein Kommunikationskurs 'Erfolg durch Kommunikation' angeboten, der auf den ersten Blick unverfänglich erscheint. - so berichten Aussteiger, daß bestimmte Übungen eine Art Streß auslösen, der sie in einen Zustand des Wohlbefindens versetzt habe, so daß sie Schmerz gar nicht mehr wahrgenommen und halluzinatorische Vorstellungen bekommen hätten."

 RICHTIGSTELLUNG: Bei diesen "Aussteigern" handelt es sich um Norbert Potthoff, der, wie schon dargelegt, zu den berufsmäßigen Zeugen - auch im Dienste des Verfassungsschutzes - gezählt werden muß. Er beansprucht für sich eine merkwürdige, unwissenschaftliche und ebenso haltlose Halluzinationstheorie. Wer hat jemals von "Streß" gehört, der jemanden "in einen Zustand des Wohlbefindens versetzt"? Daß sich die Autoren beispielsweise der Broschüre aus dem Familienministerium derartige Ungereimtheiten zu eigen machen, ist ein weiterer Beleg dafür, daß sachfremde Erwägungen und nicht vernünftiges Denken und Exaktheit die Leitgedanken in der bundesdeutschen "Sektenpolitik" darstellen.

 XIV.

 BEHAUPTUNG: Scientology verfolge das Ziel, "Wirtschaft und Politik zu unterwandern". Ein wesentliches Betätigungsfeld stelle der Immobilienhandel dar.

 RICHTIGSTELLUNG: An früherer Stelle wurde bereits generell zum Thema "Unterwanderung" Stellung genommen. Es gibt hierzu jedoch auch einige konkrete Anmerkungen, die von Interesse sind:

 So ist zum Beispiel die Zahl der Scientology-Mitglieder, die selbständige Unternehmer in der Bundesrepublik sind, im Verhältnis zur Gesamtzahl deutscher Unternehmer verschwindend gering. Diese Tatsache allein belegt bereits, daß der Vorwurf der "Unterwanderung" ein sektenpolitisches Konstrukt ist.

 Einige Scientologen sind natürlich Geschäftsleute, genauso wie wesentlich mehr Katholiken, Protestanten, Moslems oder Juden es auch sind.

 Mitglieder der Scientology Kirche gibt es in allen Lebensbereichen. Sie sind Wissenschaftler, Künstler, Ingenieure, Lehrer, Studenten, Bauarbeiter, Professoren, Angestellte, Schriftsteller und so weiter. Unter den 30.000 Scientology-Mitgliedern in Deutschland gibt es nach innerkirchlichen Erhebungen nur rund 40 selbständige Immobilienmakler. Die Behauptung, daß diese 0,2 Prozent aller Immobilienmakler ganze Sektoren des Immobilienmarktes beherrschen, ist absurd.

 Wesentlich entscheidender ist: Im Gegensatz zu den beiden größten nichtstaatlichen Immobilienbesitzerinnen in Deutschland, den Amtskirchen, besitzt die Scientology Kirche in ganz Deutschland nur eine einzige Immobilie, das Gebäude der Scientology Kirche Bayern in München.

 Ginge es den Anklägern und somit auch der Bonner "Sekten-Enquete" bzw. ihren Betreibern tatsächlich um die Klärung der Frage, ob und inwieweit die Scientology Kirche in Deutschland "die Wirtschaft unterwandert" und "hauptsächlich im Immobilienbereich tätig ist", dann würden sie eidesstattliche Erklärungen des bundesdeutschen Vorstands oder bereits ergangene Unterlassungsurteile zur Kenntnis nehmen und in die Beweisfindung einbringen. Diese belegen, daß die deutschen Scientology Kirchen grundsätzlich keine wirtschaftlichen Beteiligungen irgendwelcher Art oder Aktien, Grundbesitz, Immobilien (außer jenem einem Kirchengebäude in München) oder ähnliches unterhalten, geschweige denn "weltliche" Firmen besitzen oder Firmenanteile halten oder die Geschicke solcher Firmen direkt oder indirekt lenken.

Solche (eidesstattlichen) Erklärungen oder Urteile - die auch der Enquete bekannt sind - verschwinden in der großen Schublade der "sektenpolitisch hinderlichen" Tatsachen. Die Scientology Kirche hat allen ihr bekannt gewordenen Unterwanderungstheorien aus dem Bereich Wirtschaft, Immobilien und auch Politik nicht nur einfach widersprochen, sondern diesen "Widerspruch" auch immer nachvollziehbar begründet. Trotzdem fährt man fort, die unsägliche Gleichsetzung "was ein einzelner Scientologe beruflich macht = Scientology Kirche" noch mehr anzuheizen, um in der öffentlichen Auseinandersetzung "keinen Boden zu verlieren".

 Um die "Unterwanderungsthese" irgendwie aufrechtzuerhalten, ungeachtet aller gegenteiligen Fakten, schreckte die Enquete auch nicht vor entstellenden Verfälschungen zurück. Beispielsweise ist das eigentliche Fazit der Anhörungen zum Thema "Unterwanderung der Wirtschaft" ausweislich des Zwischenberichts der Enquete nur noch als "Sondervotum der Grünen" erhalten geblieben, während der Zwischenbericht selbst ein ganz anderes Bild zu vermitteln versucht. Selbst die wenigen Einzelbeispiele einer angeblichen "Unterwanderung" gab es nämlich tatsächlich nur unter den Vorgaben "Mitglied = Sekte" und "Berufsausübung = Unterwanderung", die wie dargelegt ganz einfach unhaltbar sind. Für eine "gezielte und systematische Unterwanderung" gab es jenseits der Meinungsäußerung von "Kritikern" noch nicht einmal Einzelbeispiele, geschweige denn eine verallgemeinerungsfähige Grundlage. Auch für andere Anschuldigungen gab es keine Belege, so für die angebliche Weitergabe sonst nicht zugänglicher Informationen an die jeweilige "Sekte" und ähnlich bemühte Unterstellungen.

 Im August 1997 berichtete beispielsweise die ASU (Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer) von den Ergebnissen einer Umfrage in den Reihen ihrer Mitglieder wie folgt: "Hintergrund dieser Umfrage war die Einladung der Enquete-Kommission 'Sogenannte Sekten und Psychogruppen', in der die vielfach behauptete Unterwanderung der Wirtschaft durch die Scientology-Organisation zur Debatte stand. Mit nur 12 Reaktionen, die allesamt keine Dramatik in sich bargen, war die Resonanz auf diese Mitgliederumfrage äußerst gering. Dieses Ergebnis wurde der Enquete-Kommission am 12. Mai 1997 mitgeteilt." Ähnliches hatte der Bund der Selbständigen in Baden-Württemberg zu vermelden. Von Tausenden von Befragten konnte nicht ein einziger einen konkreten Fall einer "Übernahme" in seiner Branche oder Umgebung nennen, geschweige denn belegen.

 Was bedeuten solche und ähnliche Fakten und Zahlen für die zukünftige politische Behandlung des "Problems" der "Unterwanderung der Wirtschaft durch Scientology"? Gemäß der in dieser Broschüre dargelegten "Vorgehensweisen" und Zielsetzungen der bundesdeutschen "Sektenpolitik" im Umgang mit Scientology kann dies nur das bedeuten, was der Zwischenbericht der Enquete-Kommission in seiner diesbezüglichen Zusammenfassung schon festgeschrieben hat: "Die Anhörung hat deutlich werden lassen, daß seitens der Wirtschaftsverbände weiterhin eine intensive Aufklärungsarbeit geleistet werden muß, um Firmen und Unternehmungen zur angemessenen Beurteilung des Problembereichs mit sachgerechten Informationen zu versorgen."

 Die Frage, wie man von einem Anhörungsergebnis, das keinerlei quantitative oder qualitative Bestätigungen der Unterwanderungsthese erbracht hat, zu einem "Fazit" gelangen kann, das bestenfalls das genaue Gegenteil impliziert, erübrigt sich. Es wäre nicht das erste Mal, daß die Abwesenheit tatsächlicher Vorkommnisse - im Gegensatz zu behaupteten - als "Dunkelziffer" oder gar als Beleg für die "Angst, eine Aussage zu tätigen" deklariert wird, um auf diesem Umweg doch noch zum rufmörderischen Ziel zu kommen. Auf diese Weise kann man die behauptete "Unterwanderung" aufrechterhalten und gleich noch die "Einschüchterungsthese" drauflegen. Die Definitionsmacht der Enquete wie auch anderer Stellen ist diesbezüglich unbegrenzt und es steht zu befürchten, daß der Schlußbericht der Enquete-Kommission die behauptete "Unterwanderung der Wirtschaft durch die Scientology Kirche" noch deutlicher konstatieren wird, mit noch weniger "Belegen".

 Diese "Definitionsmacht" und ihr Mißbrauch erklären zumindest, warum es kein Faktum gibt, kein Gerichtsurteil, kein "Anhörungsergebnis", kein Gutachten oder ähnliches, noch nicht einmal theoretisch, die jemals Gremien wie die Enquete dazu veranlaßt hätten, von einer vorgefaßten "Anti"-Position abzurücken. Eher nimmt man solche Tatsachen her, um sie in ihr genaues Gegenteil zu verkehren.

 Als genereller "Beweis" für die wirtschaftliche Unterwanderungsthese wird hin und wieder auch eine sogenannte Führungsanweisung 1040 zitiert, die in den 60er Jahren von irgendjemand, jedenfalls nicht von L. Ron Hubbard geschrieben wurde und seit drei Jahrzehnten keine Gültigkeit mehr hat. Diese Anweisung hat in Deutschland niemals eine Rolle gespielt noch fand sie seitens einer Scientology-Körperschaft Anwendung.

 Auch wenn der Scientology Kirche direkt oder indirekt unterstellt wird, sie schicke ihre Mitglieder hinaus in die Wirtschaftswelt, um diese zu "unterwandern", nur weil es einen Verband scientologischer Geschäftsleute gibt (WISE), dann ist das zumindest abenteuerlich. Wie nehmen sich unter diesem Gesichtspunkt der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in der Bundesrepublik oder der Bund Katholischer Unternehmer e.V. und (nicht gerade wenige) ähnliche Gruppierungen amtskirchlicher Provenienz aus?

 Auf der politischen Ebene der "Unterwanderungsthese" verhält es sich ähnlich. So zum Beispiel bei einem angeblichen "Projekt A", das der bayerische Innenminister Beckstein im März 1997 dahingehend interpretierte, Scientology habe das Land Albanien sozusagen "übernehmen" wollen. Tatsächlich handelt es sich bei dem sogenannten Projekt aus dem Jahr 1993 in erster Linie um ein unternehmerisches Konzept zum wirtschaftlichen Aufbau des Landes, das von einem Scientologen privat entworfen worden war. Von politischen Bestrebungen oder gar einer "Machtübernahme" war mit keinem Wort die Rede, von der Scientology Kirche in Deutschland ebenfalls nicht.

 Ein anderer Aspekt ist die "Unterwanderung der Parteien". Dieses Märchen fand seinen Anfang zu Anfang der 90er Jahre in Hamburg, als die Hamburger SPD im Wahlkampf der FDP vorwarf, sie wäre "von Scientologen unterwandert". Die FDP reagierte mit einem "Unvereinbarkeitsbeschluß". Die Fakten: Ganze zwei Scientology-Mitglieder, die in der Partei keinerlei Ämter ausübten, befanden sich damals in der Hamburger FDP. Welche hysterischen Züge die "Verfassungsschutz-Diskussion" zum Thema Unterwanderung und all ihren Schattierungen in der postulierten Bedrohung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den letzten Jahren angenommen hat, verdeutlicht sich auch anschaulich am Bundesland Saarland. Dort verkündete der damalige Staatssekretär im Innenministerium Richard Dewes vollmundig den Einsatz seines Landesamts für Verfassungsschutz gegen Scientology. Auch der Einsatz von V-Leuten wurde angekündigt, und der studierte Theologe Dewes entwarf auch im Jahr darauf hinsichtlich Scientology in öffentlichen Stellungnahmen ein wahres Horror-Szenario. Wesentliches Manko, das Dewes in seiner Kampagne verschwieg: Im Saarland gab es überhaupt keine Scientology-Einrichtung. Im Oktober 1995 hieß es dann in einem Pressebericht wenig überraschend: "Das Saarland hatte Scientology bereits kurze Zeit durch den Verfassungsschutz beobachten lassen, dies aber mangels einschlägiger Erkenntnisse wieder eingestellt."

 Inzwischen ist Richard Dewes Innenminister in Thüringen. Auch dort gibt es, wie in den meisten neuen Bundesländern, keine Scientology-Einrichtungen. Dies hinderte Dewes jedoch nicht daran, erneut den Verfassungsschutzeinsatz gegen Scientology zu fordern und kürzlich dafür zu stimmen.

XV.

 BEHAUPTUNG: Scientology fordere "totale Disziplin".

 RICHTIGSTELLUNG: In einer internen Kirchenrichtlinie ist von "totaler Disziplin" die Rede. Wiederum wird der Gesamtzusammenhang und ein Verstehen des innerkirchlichen Ethik- und Rechtsprechungssystems in der Interpretation dieses Schlagworts völlig außer acht gelassen. Dieser Gesamtzusammenhang drückt sich wohl am besten in der gelebten Praxis aus. Was hat ein Mitglied im Rahmen von disziplinarischen Maßnahmen zu erwarten?

 Zunächst wird das Mitglied angehört und die Fakten werden verifiziert. Dann wird das frühere konstruktive Verhalten in Verhältnis gesetzt zu dem beobachteten Vergehen. Daraus werden Schlüsse gezogen über die Schwere des Vergehens. Von der Schwere oder Geringfügigkeit des Vergehens wird abhängen, welche Empfehlungen der Ausschußvorsitzende

ausspricht. Das mag folgende Dinge nach den Richtlinien der Kirche enthalten: Ein Wiedergutmachungsprojekt des Mitglieds nach Stunden bemessen, um den von ihm angerichteten Schaden auszugleichen; Untersagung der Teilnahme an der Seelsorge und der Vermittlung der Lehre an den kirchlichen Ausbildungsstätten - bis zu drei Monaten in geringeren Fällen und bis zu Jahren in sehr schwereren Fällen (letzteres muß jedoch ein von der Mutterkirche genehmigter Untersuchungsausschuß aussprechen); Aufhebung aller Zertifikate und Anweisung zur Wiederholung der kirchlichen Ausbildung ist eine noch höhere Disziplinarstrafe, wenn das Verhalten des Mitglieds zu erkennen gegeben hat, daß es entgegen seines Ausbildungsstands und sonstigen Qualifikation wiederholt gegen grundlegende Richtlinien verstoßen hat; schließlich Enthebung aus dem Amt und Versetzung; als nächst höhere Maßnahme die Entlassung aus der Tätigkeit für die Kirche; dann die Erklärung zur "Unterdrückerischen Person", nichts anderes als der Ausschluß aus der Kirche. Dies ist die Höchststrafe. Körperliche oder andere Strafen sind ausdrücklich verboten.

 Es handelt sich dabei um eine durchaus gängige Abstufung von geringeren Disziplinarverfügungen bis hin zu der schwersten. Richtlinie dabei ist, daß immer das geringste Mittel zuerst angewendet werden muß, bevor eine schwerwiegendere Maßnahme überhaupt verfügt werden darf. Wurde das unterlassen, so ist die schwerwiegendere Disziplinarmaßnahme in der Regel nicht zulässig. Bevor eine ausgesprochene Disziplinarmaßnahme überhaupt zum Tragen kommt, wird erneut geprüft, ob sich das Mitglied gebessert hat. Hat es das, so wird die bereits ausgesprochene Maßnahme überhaupt nicht durchgeführt. Die Scientology Kirche sieht damit Disziplinarmaßnahmen nicht als Selbstzweck an. Ihr liegt an der auf Einsicht und Selbstbestimmung gegründeten Verbesserung des Menschen. Dieses System der Abstufung und Verhältnismäßigkeit gibt es in dieser Gewichtung anderswo nicht. Wobei die "Strafen" in anderen Organisationen oder auch bei Behörden und Regierungsstellen wesentlich härter ausfallen können: Ein schlechtes Wort am unrechten Ort über den Arbeitgeber und jeder Firmenchef kann seinen Mitarbeiter feuern, ohne ein Gericht fürchten zu müssen. In der Scientology Kirche ist das nicht möglich.

 Das so beschriebene System ist die gelebte Praxis der Scientology Kirche. Es ist nicht ersichtlich, was daran auszusetzen ist. Der Deutsche Fußballbund oder die "Amtszuchtgremien" der Amtskirchen - so heißen sie tatsächlich - haben strengere Maßregeln als die Scientology Kirche. Letztlich handelt es sich in Scientology um ein selbstbestimmtes System der Korrektur des einzelnen Menschen, das sich aus der buddhistischen Tradition der Scientology Kirche herleitet, und zwar so wie es in den buddhistischen Tempeln gelebt wurde und heute noch wird. Auf diese Tradition hat sich der Stifter der Scientology Kirche ausdrücklich berufen.

 Vergleichsweise sei noch kurz auf Disziplinarmaßnahmen und Strafgewalt bei der römisch-katholischen Kirche verwiesen, anhand weniger Beispiele aus dem gültigen "Corpus Juris Canonici":

 CAN. 1366 - Eltern oder solche, die Elternstelle vertreten, welche die nicht-katholische Taufe oder Erziehung ihrer Kinder veranlassen, sollen mit einer Beugehaft oder einer anderen gerechten Strafe belegt werden.

 CAN. 1369 - Wer in einer öffentlichen Aufführung oder Versammlung, entweder durch öffentliche, schriftliche Verbreitung oder sonst unter Benutzung von sozialen Kommunikationsmitteln, eine Gotteslästerung zum Ausdruck bringt, die guten Sitten schwer verletzt, gegen die Religion oder die Kirche Beleidigungen ausspricht oder Haß und Verachtung hervorruft, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden.

 CAN. 1371 - Mit einer gerechten Strafe soll belegt werden:

1. Wer außer dem in CAN. 1364, P. 1 genannten Fall eine von Papst oder einem ökumenischen Konzil verworfene Lehre vertritt oder eine Lehre, worüber CAN. 752 handelt, hartnäckig ablehnt oder trotz Verwarnung durch den apostolischen Stuhl oder den Ordinarius nicht widerruft;

2. Wer sonst dem apostolischen Stuhl, dem Ordinarius oder dem Oberen, der rechtmäßig gebietet oder verbietet, nicht gehorcht und nach Verwarnung im Ungehorsam verharrt.

 CAN. 1373 - Wer öffentlich wegen irgendeiner Maßnahme der kirchlichen Gewalt oder eines kirchlichen Amtes Streit der Untergebenen oder Haß gegen den apostolischen Stuhl oder den Ordinarius hervorruft oder die Untergebenen zum Ungehorsam gegen diese auffordert, soll mit dem Interdikt [Anm. d. V.: Verbot, kirchliche Amtshandlungen auszuüben] oder anderen gerechten Strafen belegt werden.

 CAN. 1974 - Wer einer Vereinigung beitritt, die gegen die Kirche Machenschaften betreibt, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden; wer aber eine solche Vereinigung fördert oder leitet, soll mit dem Interdikt bestraft werden.

 Auf derartige Strafansprüche und analoge Rechtsansprüche der anderen Kirchen (bis hin zu Todesurteilen bei manchen Weltreligionen, nach innerkirchlichem Recht) schaut freilich niemand, wenn es um den Vorwurf "totaler Disziplin" geht.

 XVI.

 BEHAUPTUNG: Scientology "überwache" Mitglieder und fordere "Wissensberichte".

 RICHTIGSTELLUNG: Was das hier angesprochene "Berichtssystem" der Kirche betrifft, so gibt es ein solches in jeder gut funktionierenden Organisation. Etwas Verwerfliches ist daran nicht zu finden.

 Ein Mitarbeiter oder Mitglied wird dazu angehalten, bei beobachteten Mißständen - natürlich auch, wenn darin Vorgesetzte oder Führungskräfte der Kirche verwickelt sind - einen sogenannten "Wissensbericht" zu schreiben und an die sogenannte Ethik-Abteilung der Kirche zu leiten, damit diese korrigierend eingreifen kann. Auf diese Weise ist das einzelne Mitglied nicht veranlaßt, das gemeinsame Ideal zu korrumpieren. Und dem aufgedeckten Mißstand kann abgeholfen werden.

 Das obige System erlaubt kein Denunziantentum hinter dem Rücken anderer Mitglieder. Es ist Teil der Richtlinie, daß alle betroffenen Personen eine Kopie erhalten müssen. So wird sichergestellt, daß sie eine Stellungnahme zum behaupteten Sachverhalt abgeben können, bevor seitens der Kirche eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen wird.

 Die Ethik-Abteilung ist nicht berechtigt, nur aufgrund irgendwelcher Berichte jemanden zu disziplinieren. Sie muß den behaupteten Vorfall untersuchen und die korrekten Fakten finden, indem sie die betroffene Person befragt und dann erst handelt. All diese Punkte sind eigentlich selbstverständlich und vernünftig. Vernünftiger sicher als die verdeckt "ermittelnden" Beamten städtischer Behörden, die interne Korruption und ähnliches aufdecken sollen. Nicht einmal hier spricht man von "Bespitzelung". Und wenn in irgendeiner Firma ein Mitarbeiter seinen Chef davon informiert, daß ein anderer Mitarbeiter sich gerade wieder aus der Handkasse bedient hat oder bei Spesenabrechnungen betrügt und der Chef diese Information dankend zur Kenntnis nimmt, dann wird man auch schwerlich von "menschenverachtenden Praktiken" sprechen.

 Selbst die Präsidiumsriege des FC Bayern wird sich nach dem zumindest ungewöhnlichen Einsatz von Detektiven zur tatsächlichen Überwachung von Spielern wohl eher nicht davor fürchten müssen, deswegen Gegenstand einer menschenrechtspolitischen Anfrage im Bundestag zu werden. Politische Stellen sollten also gerade bei diesem Thema erst einmal der gesellschaftlichen Wirklichkeit ins Auge sehen.

 XVII.

 BEHAUPTUNG: Scientology unterhalte "Straflager" für "kritische Mitglieder".

 RICHTIGSTELLUNG: Scientology unterhält keinerlei "Straflager". Ausweislich von Medienberichten bezieht sich die Unterstellung, die Scientology Kirche unterhalte "Straflager", auf eine ausschließlich für Ordensmitglieder zugängliche Möglichkeit der Wiedereingliederung in den Orden nach schwerem Fehlverhalten. Diese wird durch ein sogenanntes "Projekt zur Rehabilitierung" (engl.: Rehabilitation Project Force = RPF) im Bereich der Sea Organization durchgeführt, einer Ordensgemeinschaft der kontinentalen und internationalen Scientology Kirchen. In Deutschland gibt es auch diese Einrichtung oder Möglichkeit nicht. Angeboten wird sie nur den Ordensmitgliedern der Sea Organization, die ein Gelübde ewigen Dienstes für Scientology und ihre Ziele abgelegt haben (vergleichbar etwa mit der ewigen Profeß in den bekannten deutschen Orden der katholischen Kirche).

 Auch wenn das sogenannte RPF nur eine Ordenseinrichtung im Ausland ist, sollen den propagierten Zerrbildern hier kurz die Fakten gegenübergestellt werden. Diese Notwendigkeit ergibt sich schon aus dem Umstand, daß einige deutsche Politiker, wie der bayerische Innenminister Beckstein, im Zusammenhang mit der Scientology Kirche Deutschland nur allzu gerne mit Schlagworten wie "Straflager" agieren. Mit dieser propagandistischen Begriffswahl sollen natürlich negative Assoziationen der "Unfreiwilligkeit" geweckt werden.

 Aber "Einweisungen" in das RPF - so die Formulierung in Medien - sind gegen den Willen des Betroffenen schon aufgrund der Ordensregeln nicht möglich. Ein Ordensmitglied kann dem "Rehabilitierungsprojekt" zwar formell zugewiesen werden, zu allererst entscheidet das Ordensmitglied aber selbst, ob es von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchte. Das Ordensmitglied kann auch den Weg eines innerkirchlichen Widerspruchverfahrens wählen oder den Orden verlassen.

 Die Freiwilligkeit einer Inanspruchnahme des RPF-Programms ist implizit. Seit über 30 Jahren lautet eine der obersten Richtlinien in Scientology, daß niemand, der nicht freiwillig aufgrund seiner eigenen Selbstbestimmung in Scientology ist und sich aus freien Stücken in Scientology ausbilden oder auditieren läßt, als einfaches Mitglied, hauptamtlich tätiges Kirchenmitglied oder Ordensmitglied akzeptiert werden darf. Gleiches gilt für die Möglichkeit, das RPF, das zu einem nicht geringen Grad in der Ausbildung in und der Ausübung der Scientology Lehre besteht, überhaupt in Anspruch nehmen zu können.

 Die Betonung liegt im übrigen auf dem Begriff "Rehabilitierung". Ordensmitgliedern, die normalerweise wegen ernsthafter oder fortgesetzter Verletzungen von Ordensregeln (die sich in vielerlei Hinsicht von den Kirchenregeln unterscheiden) entlassen werden würden, wird die Möglichkeit gegeben, das RPF-Programm - weitestgehend in Eigenregie - durchzuführen. Ein Beispiel hierzu wäre die schwere Verletzung von Treuhandpflichten eines Amtsträgers im Orden, ein anderes Beispiel wäre, daß jemand grundsätzlich die ihm übertragenen Aufgaben im Rahmen der Ordensgemeinschaft nicht ausführt oder so ausführt, daß die Ordensgemeinschaft nachhaltig geschädigt wird. Kritik zählt wohlgemerkt nicht zu diesen Arten von Fehlverhalten.

 Während es die Möglichkeit der Wiedergutmachung und der Rehabilitierung in nicht-religiösen Organisationen bekanntlich kaum gibt, vielmehr die Entlassung aus der Tätigkeit als einzige Maßnahme für dienstliche oder moralische Vergehen die Norm darstellt, ist sie bei einer Reihe von Orden und Religionsgemeinschaften auf der ganzen Welt nicht neu und eher die Regel als die Ausnahme. Das RPF ist letztlich nichts anderes als die Möglichkeit, den Orden nicht verlassen zu müssen.

 Das RPF stellt auch keine Bestrafung dar. Es folgt einer langen religiösen Tradition, ist insofern aber einzigartig, weil es die religiösen Prinzipien von Scientology dazu verwendet, um bei einer Person eine vollständige Wiederherstellung ihrer Integrität zu bewirken - aufgrund eigener Einsicht, Wiedergutmachung und einer Behebung der ursächlichen Faktoren im geistig-spirituellen Bereich, die zu den jeweiligen Fehlhandlungen führten.

 Es ist nicht wenig bezeichnend, daß generell eine auf Grund schwerer oder auch leichter Verfehlungen getätigte Entlassung von der Arbeitsstelle - oder auch aus den Diensten eines Ordens - offenbar als legitimes Mittel der "Gegenwehr" einer Organisation angesehen wird. Gibt man der Person jedoch eine Chance der Rehabilitierung, wenn auch unter Auflagen, sieht man sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, in "persönliche Freiheiten" einzugreifen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die nicht wenigen Vorfälle, in denen der "Tendenzbetrieb Amtskirche" beispielsweise Mitarbeiterinnen katholischer Einrichtungen bereits deshalb fristlos kündigte, weil sie sich scheiden ließen (vom gewalttätigen Gatten) und anschließend wieder heirateten - oder auf andere Weise vom rechten Glauben abgefallen waren und mit dem Verlust der Arbeitsstelle bestraft wurden.

Was aber kann, speziell in der heutigen Zeit, ein größerer Eingriff in die freie Entfaltung der Persönlichkeit sein als die Entlassung von der Arbeitsstelle? (Die in aller Regel wohl gegen den Willen der oder des Betroffenen ergeht und existentielle Auswirkungen nach sich zieht.) Sicherlich nicht die freigestellte Chance, die jeweilige Angelegenheit in Ordnung zu bringen und seine Mitgliedschaft oder seinen Arbeitsplatz zu behalten.

 Im folgenden einige weitere Tatsachen über das RPF:

 - Teilnehmer studieren täglich fünf Stunden lang und erhalten religiöse Beratung, die auf Bereiche von Schwierigkeiten im persönlichen Leben abzielt.

- Sie arbeiten acht Stunden pro Tag als Team an Aufgaben, die dazu beitragen, die Einrichtungen der Ordensgemeinschaft zu verschönern oder zu pflegen und welche den Teamgeist und die Koordination unter den Teilnehmern verbessern. Im wesentlichen werden manuelle, handwerkliche Arbeiten an Gebäuden oder Gartenarbeit verrichtet. Die Arbeit führt dazu, daß der einzelne wieder Vertrauen in sich selbst gewinnt und Stolz für das Geleistete empfindet. Wenn der einzelne die Gründe und Auswirkungen, die ihn auf das RPF geführt haben, behoben hat, schließt er das Programm erfolgreich ab.

- Als Voraussetzung für das Bestehen muß man auch einer anderen Person geholfen haben, ihr Programm im RPF erfolgreich abzuschließen.

- Wie lange eine Person auf dem RPF verbleibt, variiert und hängt von den individuellen Voraussetzungen ab, vor allem weil bestimmte Studien- und Ausbildungsschritte absolviert werden. Die durchschnittliche Dauer des Programms beträgt ungefähr zehn Monate.

 - Teilnehmer studieren auf dem RPF erneut grundlegende Schriften der religiösen Lehre - so zum Beispiel über Moralkodizes, über persönliche Integrität, darüber, was die Verletzung von Moralkodizes bewirkt und wie man diese behebt, über Recht und Unrecht und anderes mehr.

 Ein ehemaliger Priester und Mönch der römisch-katholischen Kirche, Dr. Frank Flinn, jetzt Professor für Religionswissenschaften an der Universität von Washington (USA), unternahm eine umfassende Untersuchung des RPF-Programms, und zwar als Teil einer unabhängigen Studie, die er über Scientology erstellte.

 Prof. Flinn schrieb: "Im Gegensatz zu den allgemeinen, aus zweiter Hand stammenden Ansichten von Außenstehenden und im Gegensatz zu den Behauptungen ehemaliger Mitglieder, deren Beweggründe zumindest verdächtig sind, würde ich sagen, daß die Hingabe an solche Praktiken - sich zunächst als natürliche Folge aus einer freien religiösen Entscheidung für eine spirituelle Lehre ergibt."

 In anderen Religionen verpflichten sich die Mönche zu religiösen Praktiken wie dem stundenlangen Meditieren, zu Handarbeit, zu Fasten im Advent sowie während der Fastenzeit und zum Schweigen.

 Novizen in der Ausbildung zu katholischen Geistlichen führen ein asketischeres Leben als es irgendwo auf dem RPF vorkommt. Sie besitzen nichts; alles befindet sich im Eigentum der Gemeinschaft. In einem typischen Orden ist es ihnen lediglich gestattet, wenn überhaupt, drei bis vier Stunden am Tag zu sprechen. Ihre einzige Kommunikation mit der Außenwelt besteht in Briefen. In einigen Orden ist Telefonieren erlaubt, aber nur unter außergewöhnlichen Umständen. Die eingehende und auslaufende Post wird überwacht. Besuche von den Eltern sind nur am ersten Sonntag des Monats gestattet.

 Keinerlei sexuelle Beziehungen sind in diesen katholischen Orden erlaubt, und es gibt keine Bezahlung oder Taschengeld. Der größte Teil des Tages ist dem Gebet gewidmet.

 Strenge Orden verbieten Schuhe, wobei sie Sandalen aus Hanf und Bindfäden tragen, sogar im Winter.

 Mitglieder des Franziskanerordens nehmen an Selbstgeißelungen teil, wobei sie ihre Beine und ihren Rücken mit einer kleinen Peitsche schlagen, um die Fleischeslust zu dämpfen. Körperliche Arbeiten umfassen Tischlerei, Gartenpflege, Bodenputzen, Wäschewaschen, Kartoffelschälen usw.

Etliche Mönche geloben absolute Armut.

 Obgleich es auch in den katholischen Orden auf der Welt eine Reihe von Bußen und streng geregelten Bußpraktiken gibt, die der Rehabilitierung und der Wiedereingliederung eines Mönches oder einer Nonne dienen sollen, sind die eben aufgeführten Beispiele eher typisch für das Ordensleben in katholischen Orden schlechthin, ohne überhaupt den Aspekt dauerhafter Verfehlungen eines Ordensmitglieds und die dafür vorgesehenen "Strafen" zu berücksichtigen.

In einigen dieser Orden ist die Lebensordnung noch wesentlich strenger. So dürfen beispielsweise die unbeschuhten Karmeliterinnen im bayerischen Aufkirchen am Starnberger See, unweit von München, ihr Kloster bis ans Lebensende nicht verlassen. Es herrscht Redeverbot. Tageszeitungen, Radio und Fernsehen gibt es nicht. Eine ausgewählte Nonne informiert ihre Mitschwestern über wichtiges Tagesgeschehen. Selbst zu den Eltern darf man nur durch ein Holzgitter sprechen. Der Alltag ist minutiös eingeteilt und wird von Gebet, stiller Meditation und harter Arbeit bestimmt. Bezeichnenderweise hat bisher allerdings noch kein bayerischer Politiker bei dieser und einer Reihe ähnlicher Gemeinschaften in Deutschland von "Straflagern" gesprochen.

 Auch in über 500 italienischen Klöstern leben Nonnen in Klausur und dürfen nicht miteinander sprechen. Wer zu spät zum Beten kommt, wird vom Essen ausgeschlossen oder muß Stunden kniend auf dem Boden verbringen.

 Andere Religionen auf der Welt praktizieren eine strenge disziplinarische Regel, um beispielsweise die Erlösung aus dem "Samsara", dem Wiedergeburtskreislauf im Hinduismus, oder die "beseligende Gottesschau" im Katholizismus und in der griechischen Orthodoxie zu erlangen.

 Prof. Flinn fand, daß verglichen mit solchen religiösen Praktiken, denen er sich als Mönch selbst unterzogen hatte, "die Regeln des RPF nicht nur in keiner Weise übertrieben sind, sondern vielmehr sehr mild" seien. Er beschreibt das RPF als "nicht nur nicht ungewöhnlich oder gar seltsam, sondern als charakteristisch für Religion an sich, wenn man es mit den weltweit bekannten religiösen Praktiken vergleicht".

 Auf dem RPF gibt es keinerlei körperliche Strafen. Dies stünde im Konflikt mit dem Ziel des Programms, eine selbstbestimmte Rehabilitierung der Person in bezug auf ihre Integrität zu erreichen.

 Ein Etikettierungsversuch des RPF als "Straflager" ist schlichtweg Propaganda, die mit den Realitäten und den tatsächlichen Hintergründen nichts gemein hat. Genausogut könnte man so die analogen Möglichkeiten in den Klöstern der Weltreligionen oder ganz allgemein Klöster und Ordensgemeinschaften als "Straflager" bezeichnen. Unter dem Gesichtspunkt der Religionsfreiheit eines Menschen wäre dies geradezu absurd.

XVIII.

 BEHAUPTUNG: Scientology "verachte" Kranke und Schwache.

 RICHTIGSTELLUNG: In Wirklichkeit unterhält die Scientology Kirche getreu ihrem Selbstverständnis konkrete Sozialprogramme, die sich gerade um die Schwachen und Hilflosen bemühen, um sie wieder am Leben teilhaben zu lassen.

 Tausende der Scientology Kirche angeschlossene sozial tätige Gruppen in der ganzen Welt - etwa im Bereich der Drogenrehabilitation, der Behebung des Analphabetentums oder der Rehabilitierung von Kriminellen - sind in diesem Sinne tätig. Allerdings geht die staatliche Diskriminierung gegen Scientologen so weit, daß durch Verbote verhindert werden soll, daß die Scientology Kirche ihre Sozialprogramme durchführt. Jede diesbezügliche Aktivität der Scientology Kirche wird von Politikern oder Behörden als "Tarnorganisation" bezeichnet oder als "Unterwanderungsversuch" torpediert. In Stuttgart führte dies sogar zu einem kurzfristigen Verbot, im besonders strengen Winter 96/97 an Obdachlose Kleidung und Essen auszugeben.

 Auch der Enquete-Gutachter Ralf B. Abel konstruierte die These, Scientology würde "den Sozialstaat ablehnen" und verstieg sich sogar in die Unterstellung rassistischer "Ansätze". Letztere ausgerechnet einer weltweiten Vereinigung vorzuwerfen, deren Mitglieder sich aus allen Rassen der Erde zusammensetzen, zeigt einmal mehr, daß in der "Sektendebatte" kein Konstrukt zu absurd ist.

 L. Ron Hubbards tatsächliche Einstellung zum Sozialstaat, zum "Wohlfahrtsstaat", konkret auch zu Kranken und Schwachen, ist beispielsweise in seinem Aufsatz Sozialismus und Scientology festgehalten, den er Mitte der 60er Jahre verfaßt hat:

 "Wohltätigkeit kann die edelste Tugend oder das schlimmste Übel sein. Wenn man einem Bettler ein Almosen gibt, läßt sich nicht über die empfundene Befriedigung diskutieren. Wenn man aber eine solche Tat übertreibt und dem Bettler weit mehr gibt, als er je in der Lage ist wieder zurückzugeben, kann dies destruktiv sein und nicht nur den Spender zugrunderichten, sondern auch den Sinn des Empfängers für Anstand und Würde untergraben und ihm ebenfalls Schaden zufügen. Wohltätigkeit kann also sowohl eine Tugend als auch ein Übel sein. Aber sie ist immer dann ein unausgeglichener Güterstrom, wenn die gegebene Unterstützung nicht mehr zurückgezahlt werden kann. - Solange man derartige Zusammenhänge nicht beachtet, ist der Sozialismus dem Untergang geweiht. Auf der anderen Seite ist eine Gesellschaft, die zu Wohltätigkeit völlig unfähig ist, ebenfalls dem Untergang geweiht. Wenn man Menschen im Alter ohne Pflege sterben läßt, beruht dies auf dem Versagen, sie für die Leistungen zu belohnen, die sie für das Leben erbracht haben, und über die lebenden Menschen breitet sich ein Gefühl aus von Unrecht oder Schuld. Menschen ohne richtige Fürsorge krank werden und sterben zu lassen, wenn diese zur Verfügung stünde und geleistet werden könnte, ist Brutalität, die den Geiz der Ärzteschaft und des Staates widerspiegelt. Am Unglück und am Tod fett zu werden, ist das Geschäft des Schakals. Einen Menschen zu zwingen, den Tod seiner Frau oder seiner Kinder machtlos mitansehen zu müssen, weil ihm nicht genügend Geld zur Finanzierung der notwendigen Krankenpflege zur Verfügung steht, selbst wenn er sich dabei finanziell ruiniert, ist ein unerträgliches soziales Verbrechen. Menschen verhungern zu lassen, während Nahrungsmittel in Lagerhäusern verrotten, ist eine Idiotie, die jeden anständigen Menschen empören muß -"

 Soweit zur Einstellung L. Ron Hubbards.

 Im Anhang zu dieser Stellungnahme befindet sich ein Abriß der sozialen Tätigkeiten der Scientology Kirche und der ihr angegliederten Organisationen.

 XIX.

 BEHAUPTUNG: Scientology sei eine "kriminelle Geldwäscheorganisation".

 RICHTIGSTELLUNG: Diese "Meinungsäußerung" stammt von Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Ihr kommt nach Feststellung verschiedener Staatsanwaltschaften nicht das geringste faktische Gewicht zu, im Gegensatz zu derselben "Meinungsäußerung" in Richtung auf die von Herrn Blüm vertretene Partei.

Wohl kaum einem Politiker wurde im Kampf gegen das vermeintlich "Böse" so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dem Engagement des Bundesarbeitsministers Norbert Blüm. Aussagen aus seinem Munde zum Thema Scientology - gleichgültig wie unqualifiziert und menschenverachtend diese auch sein mochten - wurden in Deutschland gleich hundertfach abgedruckt und schürten ohne jeden Zweifel das Klima des Hasses und der Intoleranz. Aus diesem Grund sollen ihm hier einige Zeilen gewidmet werden.

Tatsache ist, daß Blüm als Bundesarbeitsminister nachweislich für die größte soziale Katastrophe in der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich zeichnet: Weit über vier Millionen Arbeitslose, zahllose Firmenpleiten, das Rentensystem ist trotz gegenteiliger Beteuerungen schon für diese Arbeitnehmergeneration nicht mehr sicher, geschweige denn für die nächste. Blümsche Politik produzierte einen Scherbenhaufen.

 Jahrelang gelang es ihm, durch leutselige PR-Auftritte und Clownereien die Öffentlichkeit zu täuschen und von dieser katastrophalen Entwicklung abzulenken.

 Als dies angesichts der offenkundigen und katastrophalen Fehlentwicklungen zunehmend schwieriger wurde, suchte sich Blüm Nebenkriegsschauplätze. Als studierter Theologe und amtskirchlicher Lobbyist war es für Blüm nicht schwer, ein neues Betätigungsfeld zu finden.

 Vor diesem Hintergrund muß die Kampagne Blüms gegen religiöse Minderheiten - und vor allem gegen die Scientology Kirche - auch betrachtet werden. Blüm verbreitete über Scientology völlig substanzlose und pauschale Behauptungen, verpackt als "Meinungsäußerungen".

 Wo Blüm konkretere Äußerungen über Scientology machte, entpuppte er sich als Lügner. So beispielsweise bei einem Auftritt, der im Oktober 1995 von der Jungen Union in Stuttgart organisiert wurde. Dort bezog sich Blüm auf eine Mutter, die ebenfalls in Stuttgart auftrat und behauptete, ihr Sohn würde seit sechs Jahren von Scientology gefangengehalten und dürfe nicht nach Hause. Blüm fügte bei dieser Gelegenheit hinzu: "Sie haben die Mutter eben gehört. Es gibt Tausende von solchen."

 Der "verlorene Sohn", von denen es nach Blüms Worten Tausende gibt, erfuhr von diesem Auftritt aus den Medien und schrieb an den Minister:

 "Um gleich von vornherein alle Mißverständnisse auszuräumen - der arme 'verlorene Sohn' ist mittlerweile 30 Jahre alt, volljährig und mit allen bürgerlichen Rechten ausgestattet.

 Ich bin derjenige gewesen, der meiner Mutter schon als 14jähriger eine Stütze war, zu dem sie mit ihren Problemen gerne gekommen ist und bei dem sie sich aussprechen konnte.

 Ich bin es auch gewesen, der meiner Mutter durch Gespräche geholfen hat, ihre Scheidung zu verkraften und zu verarbeiten.

 Ich bin es gewesen, der während seiner Ausbildung bei der Scientology Kirche in Los Angeles und aufgrund des Zeitunterschiedes zwischen Deutschland und Kalifornien eine Vorgehensweise ausgearbeitet hat, so daß sie mich zu einer bestimmten Zeit unter einer bestimmten Nummer anrufen konnte und so das Gespräch zustande kam. Was regelmäßig vorkam.

 Ich bin es auch gewesen, der angefangen hat, mit 22 Jahren Drogen zu nehmen.

 Und meine Religion ist es gewesen, die mir geholfen hat, die Drogen wieder loszuwerden. Und die Scientology-Religion ist es auch gewesen, die mir gezeigt hat, daß ein produktives und glückliches Leben möglich ist. Was für mich der Anlaß war, Mitarbeiter zu werden, um auch anderen helfen zu können.

 Allein zu diesem Zweck war ich zur Ausbildung für meine Kirche in Amerika. Was meine Mutter unterschlägt, ist die Tatsache, daß ich regelmäßig mit ihr sowohl brieflich als auch telefonisch in Verbindung gestanden habe.

 Was sie auch unterschlägt, ist die Tatsache, daß ich seit mehr als einem Jahr versuche, sie dazu zu bewegen, auch meinen Standpunkt zu verstehen und wenigstens soviel Toleranz aufzubringen, daß sie mir das Recht zubilligt, mein eigenes Leben zu gestalten und nach meiner eigenen Façon selig zu werden. Vergebens. Das sind also die Fälle, über die Sie wortwörtlich und ohne rot zu werden behaupten, es gäbe "Tausende davon".

 Es sind Leute wie Sie, Herr Blüm, denen eine Frau - ja so willkommen ist. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, den Wahrheitsgehalt der Aussagen dieses Personenkreises kritisch zu prüfen. Hauptsache diese und ähnliche Aussagen passen Ihnen in Ihr Konzept -

 Und es sind Leute wie Sie, die mit ihrer offenkundigen Ignoranz und Intoleranz diese Konflikte schüren und sie zu ihren eigenen fragwürdigen Zwecken und Zielen mißbrauchen. Wenn Sie meinen, es ist damit getan, sich mit Gerüchten sowie Halb- und Unwahrheiten ein Bild zurechtzuzimmern und damit grundlegende Menschenrechte mit Füßen zu treten, dann sollten Sie als ausgebildeter Theologe und angeblich so überzeugter Katholik wenigstens die 10 Gebote Ihrer eigenen Religion beherzigen. Wobei ich Ihnen ganz besonders das Achte ans Herz lege: 'Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen wider Deinen Nächsten.'

 Sie haben Ihre Rede in Stuttgart mit der bemerkenswerten Aussage begonnen, 'Der schönste Satz in unserer Verfassung ist der Satz, die Würde des Menschen ist unantastbar'. Dabei ist Ihnen offensichtlich die meine völlig egal, solange Sie nur darauf Ihr politisches Süppchen kochen können.

 Sie haben in bezug auf Scientology einen ausgezeichneten Satz gesagt, der mir sehr gefallen hat: 'Bei Scientology hilft nur Information, Information, Information'. Das, was Sie betreiben, ist billige Effekthascherei und Demagogie - auf Kosten der Wahrheit und Demokratie."

 Der betroffene Diskriminierte hat auf seinen Brief von Norbert Blüm niemals eine Antwort erhalten.

Selbst als Bundesarbeitsminister setzte Blüm sein Instrumentarium ganz gezielt zur Existenzvernichtung ein. So formulierte er bekanntlich einen Erlaß, wonach Scientologen allein und ausschließlich aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit keine Lizenz für private Arbeitsvermittlung erhalten dürfen.

 Bisher wurden zwei betroffene Scientologen dazu genötigt, gegen den Blüm-Erlaß gerichtlich vorzugehen - und gewannen ihre Prozesse. So klagte ein Scientology-Mitglied gegen den Beschluß (Az: L 6 EA-Ar 30/95) vor dem Landessozialgericht Rheinland-Pfalz, das mit Beschluß vom 11. 12. 95 den Blüm-Erlaß für rechtlich nicht verbindlich erklärte. Blüms unbelegte Unterstellungen gegen Scientology-Mitglieder wurden durch das Landessozialgericht entschieden zurückgewiesen. So hieß es beispielsweise:

 "- fehlt jeglicher Anhaltspunkt dafür, daß die Antragstellerin (das betroffene Scientology-Mitglied) aufgrund ihrer Mitgliedschaft gegen Rechtsvorschriften oder Strafrechtsnormen verstoßen hat."

 "Auch fehlen jegliche Beweise dafür, daß andere Scientology-Mitglieder - unerlaubt Daten über Arbeitssuchende an die Scientology weitergegeben haben -"

 "-, denn auch bei anderen Interessengruppen der Gesellschaft ist es oft üblich, eigene Mitglieder oder Sympathisanten an hohen oder höchsten Ämtern im Staatsdienst oder Positionen in der Wirtschaft zu plazieren, wobei dies oft der Durchsetzung der Interessen dieser Gruppen dient."

 Im Anschluß daran verklagte das diskriminierte Scientology-Mitglied Blüm vor dem Landgericht Bonn auf Schadenersatz. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung und aufgrund der Tatsache, daß das Bundesarbeitsministerium schlichtweg nicht in der Lage war, irgendeine seiner Behauptungen schlüssig zu beweisen, schrieben die Bonner Richter dem Bundesarbeitsminister ins Stammbuch: "Bislang sind keine nachprüfbaren Fakten dafür vorgetragen, weshalb die bloße Mitgliedschaft in der Scientology Kirche die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit - berührt oder gar ausschließt." Noch deutlicher äußern sich die Richter über die Argumentation der Blüm-Behörde bezüglich Scientology: "Ein Erkenntnisstand, der zusammengefaßt nur lauten könnte: 'Viele glauben, viel zu wissen, aber niemand weiß etwas Konkretes' kann für eine gerichtliche Entscheidungsfindung nicht ausreichen."

 Da Norbert Blüm nach wie vor keinen Grund sah, seinen Ausgrenzungsbescheid selbst zu annullieren, mußte dies im März 1998 erneut das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz (jetzt der 7. Senat) für ihn erledigen. Der Senat ließ auch in diesem einstweiligen Verfügungsverfahren keinen Zweifel über seine Meinung aufkommen, daß die Anweisung Blüms rechtswidrig war.

 Es führte u. a. aus, daß "auf eine Zuverlässigkeitsprüfung im Einzelfall wegen des Grundrechts auf Berufsfreiheit aus Artikel 12, Abs. 1 GG und wegen des Verbots der Benachteiligung wegen der religiösen Anschauung gemäß Artikel 3 Abs. 3 GG nicht verzichtet werden kann - Denn hierfür reichen 'allgemeine Gründe wie Rassenzugehörigkeit, Geschlecht und Konfession' nicht aus".

Im Rahmen einer Zuverlässigkeitsprüfung im Einzelfall war der Klägerin über die bloße Religionszugehörigkeit hinaus nichts Konkretes vorzuwerfen, wie das Gericht ebenfalls anmerkte.

 Blüms Diskriminierungspolitik könnte bald teuer werden. Im Oktober 1996 entschied auch das Sozialgericht Nürnberg (Az: S 13 Al 297/95) zugunsten eines weiteren Scientologen und gab ihm die Lizenz zur privaten Arbeitsvermittlung zurück. Doch die Zeche Blümscher Politik geht erneut nicht zu Lasten des Ministers selbst. Auch in diesem Fall zahlt der Steuerzahler.

 In wessen Auftrag Blüm, der Grund genug hätte, Arbeitsplätze zu schaffen statt sie zu vernichten, wirklich durch die Lande reist, ist kein Geheimnis. Die bereits an anderer Stelle erwähnte psychiatrisch initiierte Anti-"Sekten"-Dachorganisation AGPF, die heimlich die Bonner "Anti-Sekten-Enquete" initiierte, rief 1981 zu einer in Gänze vom Bundesfamilienministerium finanzierten Konferenz in Sachen "Jugendreligionen", die als "Internationale Expertentagung" deklariert wurde. Sprecher waren unter anderem der amerikanische "Deprogramming"-Spezialist Dr. John C. Clark, der berüchtigte CIA-Psychiater Louis "Jolly" West, der Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie Prof. Müller-Küppers, diverse deutsche Psychiatrieprofessoren - und Norbert Blüm, damals noch Senator für Bundesangelegenheiten des Landes Berlin beim Bund.

 In seiner Rede sagte Blüm: "Ich bekenne mich dazu, diese Kultur zwar mit Toleranz, aber auch mit meiner persönlichen Überzeugung zu verteidigen. Das hat mit Ketzerverfolgung und Diskreditierung Andersgläubiger nichts, aber auch gar nichts zu tun - In dieser Hinsicht wünsche ich mir eine lebendige, mutige und nicht bloß taktische Auseinandersetzung. Wer sollte dazu mehr befähigt sein als die christlichen Kirchen und die Wissenschaft!"

 Fest steht: Als Bundesarbeitsminister war er nicht unterwegs, wenn er Deutschlands Ruf als Land, in dem Menschenrechte angeblich nicht nur auf dem Papier stehen, aufs Spiel setzte.

 XX.

 BEHAUPTUNG: Scientology habe in Griechenland "den Staat unterwandert" und sei jetzt "in Griechenland verboten".

 RICHTIGSTELLUNG: Diese Behauptung, die von der Bonner Enquete (Renate Rennebach) sogar im Internet verbreitet worden ist, ist genauso unrichtig, wie die damit in Verbindung stehenden Behauptungen in den Medien.

 Wie dargelegt bemühen sich Vertreter der Bundesregierung - aber auch von Landesregierungen - zunehmend und nachdrücklich darum, Rechtfertigungshilfen für ihre Diskriminierungskampagne aus dem Ausland heranzuziehen. Der Fall "Griechenland" ist hierzu nur ein Beispiel, wenn auch durchaus repräsentativ, soweit es die Vorgehensweise betrifft.

 Eine dieser bewährten Rechtfertigungshilfen ist es, schwer nachprüfbare Vorwürfe nach Deutschland zu "importieren". Ein Paradebeispiel dafür waren ein ZDF-Beitrag vom 21. September 1996 im heute journal und ein Artikel in Focus (Heft 39 vom 23. September 1996) mit dem Titel "Dossiers aus Athen". Die Intention beider Medienberichte wurde sogar aus Eigenaussagen klar: Ganz offensichtlich wollte man den dringend benötigten "Anfangsverdacht" für ein Einschreiten durch den Verfassungsschutz (in Deutschland) ermöglichen. Daß die "Rosen aus Athen" sehr welk waren, störte dabei nicht.

 Zum Hintergrund: Mehrere Scientology-Gegner - darunter die Berliner Senatsangestellte Monika Schipmann, der Vertreter des Bundesfamilienministeriums Norbert Reinke, der evangelische "Sektenbeauftragte" Thomas Gandow aus Berlin sowie das spätere Enquete-Mitglied Dr. Ralf Bernd Abel - besuchten im November 1993 den "Sektenbeauftragten" der griechisch-orthodoxen Kirche, Antonios Alevizopoulos, in Athen. Ziel dieser und ähnlicher Missionen: Die "Sensibilisierung" des Auslands.

 Im Anschluß an das Treffen begann Alevizopoulos, die Scientology Kirche in Griechenland - beziehungsweise eine ihrer Körperschaften - zu "bekämpfen".

 Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß - wie aus einem Bericht griechischer Behörden hervorgeht - der Erzpriester auch die katholische und die evangelische Kirche zu den in seinem Land unerwünschten Sekten zählte - und dies, nach griechischer Rechtsauffassung, nicht einmal zu Unrecht. Wie weit das Monopol der griechisch-orthodoxen Kirche und ihre "Abwehrpraxis" gegenüber anderen Religionsgemeinschaften über anerkannte Menschenrechtsstandards hinausgeht, muß sich Griechenland immer wieder vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bescheinigen lassen.

 Das oberste europäische Gericht hatte sich zum Beispiel mit einem Fall zu befassen, in dem vier Vertreter der Zeugen Jehovas die griechische Regierung verklagt hatten. Die vier Mitglieder dieser religiösen Gruppierung wurden in Griechenland strafrechtlich verfolgt, weil sie weiterhin in ihrem eigenen Saal beteten, nachdem sich die Regierung geweigert hatte, das Gebäude als eine Andachtsstätte zu registrieren. Der Fall war durch alle Instanzen bis zum obersten griechischen Gerichtshof gelangt, der die Schuldsprüche tatsächlich bekräftigte.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte annullierte dieses Urteil.

 Der Menschenrechtsgerichtshof führte aus, daß die griechische Regierung das Recht der Antragsteller gemäß Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt habe. Darin heißt es nämlich: "Jeder genießt das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit -"

 Antonios Alevizopoulos jedenfalls versuchte mit Hilfe der unglaublichsten Vorwürfe - zunächst erfolglos - , Polizei und Staatsanwaltschaft in seinen religiösen Privatkrieg gegen die Scientology Kirche zu verwickeln.

 Eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Ende 1995, die von den griechischen Medien zur Sensation hochstilisiert wurde, kam nie vor Gericht. Sie wurde von einer richterlichen Vorinstanz bereits Weihnachten 1995 mit der Begründung verworfen, daß die Anschuldigungen durch keinerlei Beweise untermauert seien.

 Deutschlands Hexenjäger störte das wenig. Der Bericht der griechischen Staatsanwaltschaft genügte, um die "Ernte" ihres deutsches Saatguts als "Beweismaterial" in die Heimat zurückzuimportieren.

 Hier nur einige Beispiele, die aufzeigen, in welchem Ausmaß sowohl der Beitrag im heute journal als auch der FOCUS-Artikel die grundlegendsten Prinzipien journalistischer Sorgfaltspflicht, wahrheitsgetreuer Berichterstattung und korrekter Recherche verletzten:

 - Die von der griechischen Polizei gefundenen angeblichen "Tötungspakete" gegen Kritiker der Scientology sind nichts anderes als Dokumente, die erhobene Vorwürfe seitens der weltanschaulichen Gegner beweiskräftig widerlegen. Diese werden im englischen Sprachjargon der Kirche als "Dead Agent Pack" bezeichnet, weil das gegnerische Sprachrohr ("Agent") der Lüge überführt wird und damit nicht mehr glaubhaft ("dead") ist. Derartige Verdrehungen des internen, meistens aus dem englischen hervorgehenden Sprachgebrauchs wurden wiederholt in den Medien benutzt, um der Kirche alle möglichen Untaten zu unterstellen. So wurden "dead files" (abgelegte Akten) schon wie obig interpretiert. (Bestes Beispiel war die amerikanische Redewendung "to get away with murder", die im deutschen mit "kann sich alles erlauben" übersetzt wird. Wiederholt wurde mit diesem Idiom, das sich in jedem besseren Englischwörterbuch finden läßt, der Scientology Kirche die wortwörtliche Duldung eines Mordes unterschoben.)

 - Die "Tötungspakete" (FOCUS) oder "Liquidierungspakete" (heute journal) sollen auch den Tod von Alevizopoulos, des "bis dahin kerngesunden Geistlichen", an einem Herzversagen erklären. Tatsache ist, wie vom Pressesprecher der griechisch-orthodoxen Kirche im Fernsehen verkündet, daß der Priester schon seit 5 Jahren an bösartigem Darmkrebs erkrankt war und zwei Monate vor seinem Tod ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Das wird durch die amtlichen Dokumente (Sterbeurkunde) bestätigt. Daß letztlich das Herz versagt, trifft wohl auf jeden Sterbefall zu.

 - Bei den angeblichen "Agenten", die in das Umfeld von Alevizopoulos "eingeschleust" worden sein sollen, handelte es sich in Wirklichkeit um zwei Scientologen, die ein paar öffentliche Vorträge des griechischen Erzpriesters besucht hatten und das Gehörte anschließend schriftlich zusammenfaßten. Es gehört zu den üblichen Aufgaben wohl jedes Pressesprechers, sich mit den Vorwürfen gegen seine Organisation auseinanderzusetzen.

 - Der angeblich angestrebte Scientologen-Staat "Bulgravia", bestehend aus Griechenland, Bulgarien, Albanien, Mazedonien und Restjugoslawien, ist eine Erfindung, die der Spiegel schon im März 1994 veröffentlicht hatte. Diese wurde von einer griechischen Zeitung unter Bezugnahme wiederum auf die deutsche Presse aus dem Jahre 1994 aufgegriffen und von dieser Zeitung mit einer fiktiven Landkarte erweitert. FOCUS-Journalist Kintzinger brachte diese Fiktion dann als das "ultimative Beweisstück" nach Deutschland zurück, obwohl die griechische Scientology Kirche wiederum nur eine Kopie des Zeitungsberichts in ihren Akten hatte.

 - Eine Liste mit 2500 Namen habe man gefunden - Personen des öffentlichen Lebens, über die Dossiers angelegt und die "durch Scientologen systematisch bespitzelt, ausspioniert" wurden (so das heute journal). Die Erfindung einer derartigen, angeblich 2500 Namen umfassenden Aktensammlung ist schon angesichts der paar Mitarbeiter der hier gegenständlichen griechischen Scientology-Mission (namens KEPHE) nicht nachvollziehbar. Wie absurd diese Anschuldigung ist, wird sofort klar, wenn man sich vor Augen führt, daß es für die ca. 30 Mitarbeiter dieser Vereinigung faktisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, 2500 Personen zu bespitzeln. Das sollte jedem unverblendeten Menschen eigentlich einleuchten. Wahr ist, daß die Mission in Athen Akten über ihre eigenen Mitglieder führt, in denen die Korrespondenz mit dem Mitglied ebenso wie sein spiritueller Fortschritt in Scientology festgehalten werden. Das ist allseits bekannt.

 - KEPHE habe Kinder "rekrutiert". 4000 Eltern hätten im Lauf der Jahre Strafanzeige gegen den Verein eingereicht. Die Wahrheit: Bei diesen "Kindern" handelt es sich um Erwachsene im Alter von 35 und 40 Jahren, die natürlich im biologischen Sinne "Kinder" ihrer noch lebenden Eltern sind. Sofern sich Kinder in der Athener Mission aufhielten, waren es die Kinder von Mitgliedern, die anläßlich des Besuchs ihrer Eltern oder mit ihrer Zustimmung vor Ort waren. Die "4000 Strafanzeigen" von "Eltern" entpuppen sich bei der Nachforschung als eine von den Alevizopoulos-Anhängern und Mitstreitern veranlaßte Unterschriftenaktion auf den Straßen von Athen zwecks einer Petition an die örtlichen Behörden. Hier wußten die meisten angesprochenen Passanten nicht einmal, was Scientology überhaupt ist. Mit der Petition wollten die besagten Anhänger die zivilrechtliche Auflösung der örtlichen Scientology-Gemeinde erreichen. Von strafrechtlich relevanten Vorwürfen war nie die Rede, geschweige denn von "Eltern".

 - "Wir haben bei ihnen sogar militärische Informationen über die Luftwaffe gefunden." (FOCUS) - "Informationen, die Griechenlands militärische und nationale Sicherheit betreffen und gefährden" (heute journal). Der einzige Hintergrund dieser hysterischen und auf Unwahrheiten aufgebauten Panikmache ist der Umstand, daß der Bruder der Leiterin von KEPHE als Wachmann bei einem Luftwaffenstützpunkt stationiert ist, wo er - mit Schäferhund - Peripheriewache schiebt. Dieses "sensationelle" Familienverhältnis war von einem Staatsanwalt schon ein Jahr vor der Berichterstattung den privaten Aufzeichnungen der Leiterin entnommen worden. Die Geschwister waren dazu vernommen worden, und die dienstlichen Aktivitäten des Bruders (kein Mitglied der Scientology Kirche) waren untersucht worden. Dabei kamen keinerlei Anhaltspunkte für irgendwelche rechtswidrigen Handlungen zu Tage. Fragen der militärischen und nationalen Sicherheit stellten sich erst gar nicht, da der Bruder als Führer einer Hundestreife mit solch "sensiblen Aspekten" von vornherein nicht konfrontiert war.

 Soweit zu einigen der gröbsten "Fakten, Fakten, Fakten".

Tatsache ist auch, daß es der griechisch-orthodoxen Anstrengung aufgrund eines Satzungsfehlers des Vereins KEPHE gelang, einen Beschluß zur formellen Auflösung des betreffenden Vereins zu erwirken. Sie habe sich nicht eindeutig genug "als religiöse Gemeinschaft zu erkennen gegeben". Großer Jubel bei einschlägigen deutschen Stellen. Aber: Die Auswirkungen dieses "Satzungsfehlers", der nur einen einzigen Verein betrifft, wurden sofort behoben. Mittlerweile wurde die erste Scientology Kirche in Athen gegründet. Von Verbot keine Spur. Im Gegenteil: Weitere Missionen sind im Aufbau.

 Der "Fall Griechenland" ist dennoch ein anschauliches Beispiel dafür, mit welchen Mitteln und Vorgehensweisen die deutsche "Sektenpolitik" arbeitet, selbst wenn diese scheitern.

 XXI.

 BEHAUPTUNG: Das "unbedingte Streben nach Gewinn" dokumentiere sich in der Anweisung: "Make money - make more money - -"

 RICHTIGSTELLUNG: Auch dieses bei den weltanschaulichen Gegnern der Scientology Kirche sehr beliebte Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Es entstammt einer Finanzrichtlinie L. Ron Hubbards, in welcher der Schatzmeister angewiesen wird, die Zahlungsfähigkeit der Kirche zu erhalten, Gläubiger zufriedenzustellen und nicht mehr Geld auszugeben, als er einnimmt. Eingeleitet wird die Richtlinie mit dem Hinweis, daß es sich im folgenden um die allgemeine Richtschnur für jegliche Art von Finanzwesen handelt (unabhängig von der Scientology Kirche), will es seine Aufgabe erfüllen. Seit Jahren wird dieser Satz jedoch zitiert, als wäre er eine Anweisung an alle Scientologen oder gar Teil des Glaubensbekenntnisses der Scientology Kirche.

 Jede Religion strebt nach Ausbreitung ihrer Lehre, daher werden zwangsläufig auch finanzielle Mittel benötigt. Dieses natürliche Streben einer jeden Bewegung wird in den Diffamierungskampagnen weltanschaulicher Gegner zur angeblichen Hauptmotivation der Scientology Kirche hochstilisiert. Dennoch ist das schlicht falsch.

 L. Ron Hubbard schrieb hierzu: "Geld ist also ein Werkzeug, ein Benzintank. Es ist ein Mittel, um etwas getan zu bekommen. Es ist kein gültiges Ziel in sich selbst. - eine Kirche oder eine Mission müssen Dienste auf der Ebene von persönlichem Gewinn und persönlicher Überzeugung geben - Weisheit, Fakten, Auditing, Ausbildungshilfen -"

 Wie lächerlich die Interpretation des Zitats ist, mag man einem einfachen Vergleich entnehmen. So schrieb der SPD-Parteivorstand etwa im selben Zeitraum, in dem Hubbards Finanzrichtlinie entstand, in einem Rundschreiben an alle Ortsvereinsvorstände wortwörtlich:

 "- Aber nüchtern gesprochen: Um den Wahlkampf zu führen, brauchen wir außerdem Geld, viel Geld - Wir brauchen Geld, Geld und nochmals Geld, denn wir gehen diesmal aufs Ganze."

 Was darf man diesem Zitat entnehmen? Daß es der SPD ausschließlich ums Geld geht? Daß diese Motivation ihre eigentliche Zielsetzung sei?

 Der bereits früher erwähnte Kassationshof in Rom, vergleichbar dem deutschen Bundesgerichtshof, hatte in seinem Urteil vom 8. Oktober 1997 bzw. in der schriftlichen Begründung vom 22. Oktober 1997 eindeutige Worte zu dem inkriminierten Zitat gefunden, das natürlich auch in Italien zur "Zielsetzung der Scientology Kirche" erhoben worden war. Das Gericht unterstrich, daß es sich bei konkret dieser und einer anderen Richtlinie um zwei von 8000 handele, die nicht einmal an die Anhänger, sondern an die Finanzabteilung der Kirche gerichtet seien: "Es kann also keinesfalls argumentiert werden, - daß diese Direktiven die Grundlage der Doktrin der Scientology Kirche charakterisieren und darstellen." Die Finanzierungsmethoden der Scientology Kirche erschienen "weitaus weniger übertrieben als vergleichsweise die Finanzierungsmethoden der Katholischen Kirche". "Niemand" aber, so das Gericht weiter, "würde auch nur im Traum daran denken, den religiösen Status der Katholischen Kirche aufgrund ihrer Finanzierungsmethoden zu verneinen".

 Konstrukte aus Zitaten könnten so aufgestellt werden, daß sie verwerflich klingen, "aber nur beim ersten Lesen außerhalb des Zusammenhangs", führte das Gericht weiter aus. Bei genauerer Prüfung und in ihrem korrekten Kontext betrachtet, seien die Aktivitäten der Scientology Kirche "ohne Ausnahme charakteristisch für alle religiösen Bewegungen".

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 Die Reihe der Behauptungen und Vorwürfe ließe sich fortsetzen. Sie zeigt letztlich nur auf, wie weit man in der "demokratischen Auseinandersetzung" mit neuen Religionen bereit ist zu gehen, nämlich über alle Schranken menschlichen Anstands und auch gesetzlicher Schranken hinweg.

 Die Scientology Kirche gibt gerne Auskunft zu anderen unterstellten Sachverhalten. Unter anderem kann demnächst die Broschüre Die Fakten hinter den Schlagzeilen, von der zur Zeit eine Neuauflage erstellt wird, kostenlos von der Scientology Kirche Deutschland e.V., Beichstr. 12, 80802 München, angefordert werden.

 

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